921b Postkartenmotiv – Fortsetzung –

…zu den Schuhen und beschwerte ihn vorsichtshalber mit einem Stein. Der sollte verhindern, dass er vom Wind davon getragen wurde.

Die Fahne am Eingang zum Strand, am Ende des Fußwegs, zeigte mir vorhin Seewind an. Das bedeutete, dass es ein paar Wellen gab, die allerdings mit Nichten als „hoch“ bezeichnet werden konnten.
Ich lief die paar Schritte schnurstracks ins Wasser. Es geht ganz flach rein und ich konnte mich langsam an die Temperatur gewöhnen. Die Wellen schlugen erst an meine Knie. Dann, ein paar Schritte weiter, an die Oberschenkel. Ich lief weiter bis die Wellen meine Badehosen überschwappten und Bauchnabel und Rücken nass machten, da, wo der Rücken in den Po übergeht.

Das sind meine neuralgischen Stellen. Wenn beides nass ist und ich mich kurz temperaturmäßig akklimatisiert habe, kann es los gehen.

Ich tauchte mit dem Kopf unter. Schmeckte sofort das Salz auf meinen Lippen, spürte das kühle Wasser am Kopf und am restlichen Körper. Herrlich. Ich tauchte auf, reckte mein Gesicht in die Sonne und paddelte auf diese Weise ein wenig vorwärts, ein wenig rückwärts, tauchte wieder unter und ließ mich von den Wellen schaukeln.

Dabei versuchte ich mit allen Sinnen zu erleben, was ich fühlte. Die Temperatur, die Nässe, das Salz, den Geruch des Meeres, die Farben des Wassers, das Überschlagen der Wellen. „Schrum“ machten sie (#607 schrum). Immer noch beziehungsweise: wieder. An meiner Hand blieb ein Stückchen Seegras hängen. Auch dieses Gefühl versuchte ich zu verinnerlichen.

Bevor ich endgültig den Rückweg einschlug, lief ich ein paar Schritte am Ufer entlang, um zu trocknen. Nicht nur. Wie stets, wollte ich mich nicht trennen. Ich konservierte alle Sinneseindrücke. Wappnete mich für schlechte Zeiten. Für Zeiten ohne Sonne, ohne Meer. Kalte Wintertage, traurige Tage, sorgenvolle Tage, die sicherlich kommen werden. Das ist normal. Und dann denke ich ans Meer.

Teilen:

Weitere Beiträge