Tausend kleine Geschichten gäbe es zu erzählen. Anekdoten. Eine Geschichte ist bis heute präsent und hat mit Pépito-Keksen zu tun.
Franzosen sind die Meister der Haute Cuisine, zweifelsfrei. Nichts ist ihnen annähernd heilig wie das Essen. Neben dem Wein versteht sich. Ein gutes Menü, das in unendlicher Sorgfalt und mit vielen großen Worten das versucht zu umschreiben, was sich später auf dem Teller befindet. Kaum eine andere Lektüre ist für Touristen schwerer zu begreifen, als Speisekarten in Frankreich.
Mir geht es ähnlich. Damit ich nicht verhungere, bestellen mir Caros Eltern stets das fünf-Gänge Menü in der Hoffnung, es gibt etwas darunter, das mir schmeckt. Oft bin ich ganz froh, nicht genau zu wissen, was es denn eigentlich ist, was sich dort vor mir auf dem Teller befindet. Die obligatorische Käseplatte zum Abschluss ist angesichts der Sorten, die auf ihr liegen, ebenfalls eine Herausforderung. Anblick, Konsistenz und nicht zuletzt der Geruch sind mir neu. Somit sind Carolin und ich quitt, was den Salat mit Zitronensaft und Zucker anbelangt.
Leider schließt die Haute Cuisine in Frankreich das Frühstück nicht mit ein. Und Kaffee schon gar nicht. Zum Glück, sonst hätte ich sicherlich Minderwertigkeitskomplexe bekommen. Nein, unser Frühstück ist rustikal. Sehr rustikal und steht im starken Kontrast zum feinsinnigen Abendmahl. Caro und ich sitzen dazu in der Küche. Wir sind alleine und spät dran. Alle anderen sind längst ausgeflogen. Wir genießen die Ferien und schlafen lange.
Der quadratische Tisch, der sich an die Wand in der erstaunlich kleinen Küche schmiegt, ist spartanisch gedeckt: auf ihm befindet sich ein geblümtes Wachstuch. Caro kocht Kaffee und gießt ihn mit reichlich Milch in die beiden Boules. Das einzige Geschirr. Besteck, Teller, Fehlanzeige. Dazu essen wir Kekse. Pépito-Kekse. Diese tunkten wir in unseren Café au lait. Herrlich. Das mache ich seitdem bei jedem Besuch in Frankreich und nehme immer eine Packung mit nach Hause. ENDE

