Carolin revanchiert sich prompt mit einem Mousse au Chocolat, dass sie aus zwölf (!) Eiern und im ständigen Telefonkontakt mit ihrer Mutter zubereitet. Bis heute weiß ich nicht, wie hoch die Telefonrechnung für meine Eltern war, sie haben nichts gesagt. Das Mousse ist sagenhaft üppig aber lecker und wir essen mehrere Tage daran.
Dann ist das Wimbledon-Endspiel mit Bobbele. Wir sind alle schon gestiefelt und gespornt, weil wir unseren Gast in ein bekanntes Restaurant entführen wollen. Sie hat Hunger, ich auch. Wir müssen uns gedulden, bis das Match vorüber ist. Es ist einfach zu spannend. Für alle, nur nicht für Caro. Sie quengelt ein wenig rum, tritt von einem Fuß auf den anderen.
Im Restaurant verfliegt in dem Moment jedweder Ärger, als wir in guter Gesellschaft mit Bud Spencer als Tischnachbar speisen. Versöhnt, und mit uns im großen und ganzen zufrieden, entsteht bald die Idee, dass ich mit ihr zusammen nach Frankreich für weitere zwei Wochen gehe. Ich in der großen weiten Welt. Mitten in Paris, denn das ist ihre Heimatstadt.
Wow, wow, wow. Meine Augen glühen, ich Provinzmaus, hatte eine solch große Stadt doch noch nie gesehen. Es ist fantastisch. Caros Vater, Jean-Pierre, ist die coolste Socke unter den Vätern, die ich bis dato kenne. Muguette, ihre Mutter ist freundlich aber etwas strenger als ihr Mann. Ihre beiden jüngeren Schwestern sind anstrengend und süß und die beiden Jagdhunde gehorchen jeder Mimik ihres Vaters.
Die Familie wohnt vor den Toren der Stadt in einem großen Haus. Goldene Wasserhähne, eine Hofauffahrt, eine Alarmanlage. Alles ist rosarot geblümt. Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad. Zum Abendessen gibt es mindestens drei Gänge. Täglich. In diesem Sommer lerne ich Paris kennen, wie es in keinem Reiseführer beschrieben steht. Meine Liebe zu Land und Leuten ist seitdem ungebrochen. – Fortsetzung –

