#932a lesen

Seitdem ich denken kann, habe ich eine Leidenschaft. Gut, nicht unbedingt seitdem ich denken kann, das sollte ich revidieren. Aber ich kann guten Gewissens behaupten: seitdem ich selbständig Bücher lesen kann, habe ich die Leidenschaft morgens im Bett zu lesen und dann wieder einzuschlafen. Das ist mein Kleinod. Ein Schatz aus unbeschwerten Kindertagen. Damals, als meine Verpflichtungen ähnlich überschaubar wie mein Alter waren und meine körperlichen Möglichkeiten deutlich weniger eingeschränkt.

In Schultagen klingelte mein Wecker zu einer bestimmten Uhrzeit. Dann hieß es: raus aus den Federn und ab in die Schule. Das hat sich im Wesentlichen bis heute nicht geändert. Nur der Ort der Tätigkeit, versteht sich.

Auch ohne das Klingeln meines grünen Glockenweckers wachte ich an den Wochenenden früh auf. Ihr kennt das bestimmt. Es war zu früh zum aufstehen und deshalb griff ich zum Buch, was auf meinem Nachttisch lag. Pferdebücher wie Bille und Zottel oder Das Mondpferd, die ersten Liebesgeschichten wie Der rote Seidenschal, Teenie-Romane, später dann Der Herr der Ringe, Das Geisterhaus und manchmal auch Schullektüre. Alles war dabei.

Mein Bett befand sich unter einer Dachschräge. An dessen Kopfende gab es einen Bettkasten, der mir als Nachttisch diente. Der Bettkasten hatte zwei runde Ausschnitte, die mit einem schwarzen Plastikring eingefasst waren, die als Eingriff fungierten um die untere Hälfte hochklappen zu können. Auf der nichtklappbaren Hälfte standen meine Utensilien. Mein Wecker zum Beispiel, der sich später dankenswerter Weise in einen Radiowecker mit Sleeptimer und Snooze-Funktion verwandelte. Bücher waren dort aufgereiht und es gab natürlich eine Nachttischlampe.

Ich drehte mich zum lesen auf die rechte Seite, stützte meinen Kopf auf meinen rechten Arm und blätterte mit links die Seiten um. So lag ich da, im Morgengrauen und las so lange, bis mir entweder meine Hand einschlief und anfing taub zu werden oder mir meine Augen wieder zufielen. – Fortsetzung –

Teilen:

Weitere Beiträge