#932b lesen – Fortsetzung –

Dann war es für mich das größte, warum auch immer, dass ich genau diesem Impuls nachgeben konnte. Ich legte das Buch beiseite, kroch wieder ganz unter die warme Decke, drehte mich um und schlief noch eine Runde. Herrlich. Es gibt nichts schöneres für mich, als an Wochenenden früh zu lesen und dann wieder einzuschlafen. Ein kleines: in den Tag hineinleben – ihn spät aber glücklich zu beginnen.

Das mache ich heute noch gerne. Leider gibt es inzwischen zahlreiche Einschränkungen und Hindernisse die dazu überwunden werden müssen. Da ist zunächst das Dilemma, dass ich zum Lesen eine Brille brauche. Locker flockig auf der Seite liegen, den Kopf in die Hand stützen, funktioniert nicht mehr. Der Brillenbügel stört. Das ist sehr bedauerlich. Jetzt muss ich mir mit Kissen mühsam eine Nackenstütze bauen, mich aufrecht hinsetzten und das Buch irgendwie in den richtigen Leseabstand bringen. Das ist unpraktisch.

Außerdem gibt es tausende von Ablenkungsmöglichkeiten. Ihnen muss ich widerstehen, um mich nicht im Endlosscrollen zu verlieren. Eine schreckliche Art, Zeit völlig sinnlos zu verplempern, selbst wenn sie einen kurzen Unterhaltungswert bietet. Aber was sind die ewig gleichen Katzenvideos, DIYs und Kommentare zu Sonstwas, wenn es auch anders geht?

Lange Zeit schon bin ich ein Familienmensch. Es geht nicht mehr allein um mich. Glücklicherweise lebe ich mit der Person zusammen, die mir am Herzen liegt. Deshalb ist es ein Leichtes, darauf zu achten, was uns gemeinsam gut tut.

Das Leben am Wochenende hat sich verändert. Neue Rituale sind hinzu gekommen, andere, wie das Lesen, geraten in den Hintergrund. Das ist nicht schlimm sondern nur anders. Deshalb genieße ich es in vollen Zügen, wenn sich die Gelegenheit biete. Vergangenes Wochenende war dies der Fall und ich freute mich schon abends aufs morgendliche Aufwachen, auf mein Buch und die zweite Runde Schlaf. ENDE

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