Pünktlich zum Start meines Yogakurses hat sich nun endgültig Herbstwetter eingestellt. Oder, wie die andere Hälfte meines Haushalts es seufzend beim Abendessen beim Blick nach draußen formuliert: „Ich habe Heimweh nach Gruissandingsbums“. Also jenen Ort an der französischen Mittelmeerküste, in dem wir unseren Sommerurlaub verbrachten. „Jetzt gemütlich auf der Veranda sitzen, das zweite Glas vor mir und ich muss mich mit nichts beschäftigen, das war herrlich.“
Ja, da hat er ausnahmslos recht, da wäre ich auch gerne geblieben. Da es im Leben dummerweise dazu gehört, dass wir uns verändern müssen, schauen wir beide uns frohtraurig an, zucken mit den Schultern und beißen in unsere Stullen. Das hat weniger Flair – aber -ach ja, denke ich mir und sage zu ihm: „Toll, dass wir viele schöne Tage erleben durften. Ein paar Erinnerungen für dunkle Zeiten.“
Vorhin war ich beim Yoga. Der erste Kurstermin nach der langen Sommerpause. Ich schaute die Welt von unten, von der Seite an und fand mich in meiner Geschichte von gestern wieder (#935 upside down). Mein Blick streifte meine Kursnachbarinnen auf ihren Matten neben mir. Doch ich war zu sehr mit mir selbst beschäftigt, als dass das irgendwie wichtig wäre.
Ich dehnte mich in alle mir angenehm vorkommenden Richtungen oder horchte auf die leisen Ansagen unserer Trainerin. Füße nach oben oder Kopf runter, durch die Beine nach hinten schauen, die Flanke lang machen, zur Seite drehen, die Füße in breiter Schrittstellung hintereinander. Arme vor, zurück, hoch und runter, kreisen. Alle Gliedmaßen weit ausgestreckt, balancierte ich mich vorsichtig drum herum, versuchte nicht umzufallen. Atmen. Immer weiter Atmen.
Das tat, wie gewohnt, richtig gut. Jede einzelne Bewegung. Der Körper übernimmt die Regie und lässt den Lärm der Gedanken verstummen. Ich bin mit mir, meinem Gleichgewicht, mit meinem Atem beschäftigt. Für Nebensächlichkeiten gibt es keinen Raum.

