#751 einfach nur gut

„Na, kommt ihr schon ins schwitzen“, fragt unsere Yogalehrerin, als wir uns in heikler Haltung irgendwo zwischen Boden und Zimmerdecke in einem Zwischending aus Balanceakt und Muskelanspannung befinden. Dabei schaut sie uns erwartungsvoll lächelnd an, was ich aus den Augenwinkeln wahrnehme. Ich muss unwillkürlich lachen, denn ich ringe seit geraumer Zeit mit mir, ob ich meinen Pulli endlich ausziehen soll oder nicht. Damit wäre auch gleich die Antwort auf ihre Frage gegeben. Ja, mir ist warm. Und ein wenig schwindelig. Ob die Idee einfallsreich war, vor dem Training zwei Gläser Wasser zu trinken beantwortet mein Magen aktuell mit: nein. Ich reiße mich zusammen und mir bei nächster Gelegenheit den Pulli vom Leib.

Unsere Beine haben wir inzwischen in leichter Schrittstellung in einer Linie auf der rutschfesten Matte platziert. Links vorne, rechts hinten, Beine etwas gebeugt. Beim vorderen Fuß lassen wir die Ferse schweben, während sich unsere Körper zur rechten Seite aufdrehen. Neun rechte Arme recken sich gleichzeitig senkrecht in die Höhe, während ihnen die dazugehörenden Augenpaare mit ihren Blicken folgen. Wir lassen unseren Arm kreisen, schauen ihm weiter hinterher, während wir immer noch auf Zehenspitzen balancieren. Wie ein Ballett gehen wir in eine leichte Rückbeuge und fächern unsere Rippen auf. Dann schlagen wir das rechte Bein über das linke, beugen leicht die Knie. Stuhlhaltung. So dastehend wippen wir einbeinig und verschlingen schließlich die Arme vorm Gesicht. Wie ein Adler schauen wir an ihnen durch das geteilte Gesichtsfeld links und rechts vorbei. „Dabei das Atmen nicht vergessen“, sagt sie lässig.

Auf diese Weise gedehnt und bewegt, verlassen jegliche Gedanken, die mich vorhin vielleicht beschäftigten, meinen Kopf. Ich spüre, wie gut es sich anfühlt, genau diesen Zustand der Gedankenlosigkeit zu erreichen. Atmen. Ich muss nur Atmen und das machen, was unsere Yogalehrerin anleitet. Das tut einfach nur gut.

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