#783 Öfficial Talks

Gedankenversunken verfolge ich den Inhalt auf den Monitore, die in regelmäßigen Abständen an der S-Bahnhaltestelle hinter den Gleisen an der Wand hängen. Dabei nehme ich aus den Augenwinkeln die Manschen war, die zufällig auch hier sind. Welche Gedanken in ihren Köpfen gerade rum schwirren?, frage ich mich.

Dann wende ich mich wieder dem Bildschirm zu. Zum wiederholten Mal dieselbe Reihenfolge: Infos über das Wetter, Werbung für einen Mobilfon-Anbieter und die Schätzfrage: wie viele Fahrräder werden jährlich aus den Amsterdamer Kanälen gezogen? Bevor jetzt die Antwort erscheint, wechselt die Anzeigetafel auf: Zug fährt ein. Tatsächlich, das bekannte Geräusch, das die Zug ankündigt ist zu hören und gleichzeitig bewegt sich die Luft, die sie mit sich aus der Tunnelröhre bringt.

Das Prozedere des Aus- und Einsteigens beginnt. Es ist einigermaßen leer. Ich klappe den Sitz runter, setze mich und schaue mich wieder um. Ich schaue in die Richtung, aus der ich eine ziemlich deutliche Stimme vernehme. Eine Frau, sie sitzt mir gegenüber, telefoniert. Sie spricht deutlich hörbar in ihr Handy und alle drum herum hören mit.

Ich erfahren, dass am anderen Ende ein „Hase“ sitzt, mit dem sie nächste Woche ins Stadion möchte. Für ihren Stadionbesuch sollten sie Geld zurücklegen, damit sie sich in der Pause etwas zu Essen kaufen können. Außerdem plagen sie starke Rückenschmerzen. Warum, weiß sie nicht. Himmel, was kommt noch? Das ist wirklich intim. Sie legt auf. Wählt eine andere Nummer und ich hoffe inständig, dass sie niemanden erreicht. Dem ist so. Allerdings hat sie bei der nächsten Person Glück. Sie bietet ihr an, etwas von einem Laden mitzubringen: Kondensmilch oder Curryketchup. Das Geld könnten sie ihr dann später wieder geben. Hey, das habe ich das vorhin nicht gemeint, als ich nach den Gedanken in den Köpfen der Menschen fragte. Das war rein rhetorisch gemeint.

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