#791 aus gegebenem Anlass, Teil 1

Es ist nicht einfach, sich der aktuellen Diskussion zu entziehen, ohne den eigenen Sermon hinzu zu fügen. Ich meine damit die Debatte über übergriffige Männer Frauen gegenüber. Es gibt sie, leider. Sie sind die faulen Äpfel, die alle anderen, rechtschaffenden Männer, mit in den Dreck ziehen.

Es ist nicht lange her. Zwei oder drei Jahre längstens, als ich im Freibad jene Begegnung hatte, die mich unverhofft aus der Bahn warf. Ihr wisst, ich bin eine gute Schwimmerin. Deshalb kommt es häufig vor, dass ich im Freibad andere Mitschwimmer oder Mitschwimmerinnen überhole. Das ist normal. So geschehen auch an diesem Tag. Ich kraulte und überholte einen Brustschwimmer. Bei meinem Überholvorgang griff er mir an mein Bikini-Oberteil und riss es mir runter.

Ich schwamm weiter, rückte mir mein Oberteil zurecht und war verwirrt. Mein erster Impuls galt mir und der Frage, was ich falsch gemacht hatte. Hatte ich ihn zu nahe überholt? Komisch. Nein, so etwas war mir bisher noch nie passiert. Die Abstände kenne ich gut. Beim Auto fahren, ja, da nehmen wir schließlich beim Überholen auch keine anderen Außenspiegel mit. Oder, anderes Beispiel, beim Massenstart im Triathlon, hat mir bisher niemand an die Brust gegriffen. Zu keiner Zeit, nie.

Klar, Berührungen kommen vor. Ein Tritt, ein Aneinanderstoßen der Arme oder Beine. Schwimmbewegungen halt. Ich bin schon mal mit jemandem zusammen gestoßen. Das passiert. Dann wird sich entschuldigt und gut ist es. Aber das? Das war anders. Unangenehm, peinlich, verstörend. Das war nicht ausversehen.
Am Ende der fünfzig Meter Bahn wendete ich und schwamm Brust zurück. Ich war der guten Hoffnung, er würde sich vielleicht bei mir entschuldigen. Als sich unsere Blicke begegneten, grinste er mich an woraufhin mir spontan das Wort: Arschloch über die Lippen kam. Ich schwamm weiter, meine Bahn zu Ende und hielt an. …

Teilen:

Weitere Beiträge