Es zieht sich, meine Rückreise, es zieht sich und wie. Nachdem ich meinen Anschluss in Bremen glücklich erreicht habe, geht ab Dortmund Hauptbahnhof nicht mehr viel. Umleitung, Streckensperrung, Warten auf die Lokführerin – heute ist alles drin. Ich bekomme was geboten für mein Geld und bin froh, dass ich eine Direktverbindung für den längsten Streckenanteil gebucht habe. Jetzt bin ich insofern entspannt, als dass ich nur mit Verspätung ankomme und nicht im Dauergooglestress nach Alternativen schauen muss.
Im Bordrestaurant, so die Info aus dem Lautsprecher, gibt es nicht nur kostenloses Wasser, sondern auch das Formular für den Erstattungsanspruch des Fahrpreises. Hinter Köln mache ich mich auf zum Bordrestaurant. Ich bewege mich in Fahrtrichtung und habe aufgrund der Geschwindigkeit fast das Gefühl, gleich abzuheben.
Mein Blick fällt auf die Sitzreihen, die ich passiere. Glatzen und Halbglatzen, Lockenköpfe, Kappen und Kurzhaarschnitte lugen vereinzelt über die Ohren der blauen Sitzpolster hervor. Schuhlose Füße ragen über den Sitzlehnen in den Gang hinaus. Jeder Gast hat sich individuell eingerichtet auf seinem Platz. Müde Gesichter, gelangweilte Kinderaugen. Einer sitzt im Lotussitz auf dem Boden neben den Koffern, eine andere läuft dem Kleinkind hinterher, das mit tapsigen Schritten seine Umwelt erkundet.
Überall riecht es anders. Jedes Abteil hat seine individuelle Note, seine individuelle Temperatur.
Regelmäßig werden zugestiegene Fahrgäste durch den Zug geschickt. Hinten gibt es noch freie Sitzplätze.
Dem W-Lan an Bord sei dank, eskaliert die Langeweile nur in Grenzen. Hier ein Handy am Ladekabel, daddelbereit, dort ein Laptop mit Exceltabellen, E-Mails, einem Film vom Streamingdienst, ein Buch, ein Spiel, Malsachen. Ein Fotoalbum mit Hochzeitsfotos auf dem Tisch. Abgepackte Brötchen, Kekse, Obst in Tupperware, eine Nudelbox und überall das Wasser im Tetrapack. Der Müll an den Wagondurchgängen quillt über. Mit Sicherheit sind alle, einschließlich der DB-Mitarbeitenden froh, wenn das Ziel erreicht ist.

