#823 mit der Hand am Arm

Mit halben Blick folge ich meiner Hand, die in den Tiefen meiner Schreibtischschublade nach einem Radiergummi kramt. Da ich keins auf anhieb ertaste, widme ich nun meine volle Aufmerksamkeit der Schublade und wühle jetzt mit den Augen und den Fingern darin rum. Eine stattliche Ansammlung an Kugelschreibern und Fine-Linern, Textmarker in unterschiedlich leuchtenden Farben, ein paar Münzen, zwei Bonbons, mein Lineal, Post-its (ebenfalls in unterschiedlichen Farben und Größen) aber kein Radiergummi. Das kann nicht sein.

Meine Hand wandert ans hintere Ende der Schublade und endlich bekomme ich es in die Finger. Ja, geht doch, denke ich mir und beginne sogleich damit meine Bleistiftaufzeichnung wegzuradieren. Dabei halte ich kurz inne. Ist das nicht wieder eine dieser Bürotätigkeiten, die sich zusehends verabschieden, weil wir sie nicht mehr benötigen? Normalerweise tippe ich auf die „Entf“- oder die „Backspace“-Tasten auf der Tastatur oder nutze den virtuellen Radierer und schon hat sich das erledigt.

Während ich mit dem Ratzefummel rubble, erscheinen die typischen kleinen Radierwürstchen, die ich, genau wie früher, mit einer schnellen Handbewegung vom Papier auf den Fußboden befördere. Und genau wie früher ärgere ich mich über das Geschmier, das bleibt. Es ist eben fast unmöglich, spurenfrei zu radieren. Dennoch, ich bin ein kleines bisschen wehmütig, als ich ihn wieder in meiner Schublade verschwinden lasse. So schnell werde ich ihn nicht wieder brauchen, seine Tage sind gezählt.

Allerdings funktioniert in der modernen, analogen Arbeitswelt, dieser Vorgang des Löschens nicht wirklich besser. Unser „modernes“ Whiteboard wird ebenfalls nicht richtig sauber. Die Whiteboard-Marker hinterlassen ähnliche Spuren und sämtliche Mittelchen für deren Entfernung, funktionieren irgendwie nicht. Jedenfalls ist das bei uns der Fall. Dabei stellt sich mir schon die Frage, ob diese Errungenschaft dann wirklich eine ist oder viel eher pseudo-innovativ daher kommt. Also einfach anders ist aber nicht besser. Mhm.

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