#872 da war ich schon mal

Langsam werden sie dick und schwer und die Äste biegen sich bereits ordentlich unter dem Gewicht ihrer heranwachsenden Früchte. Bisher war mir das gar nicht aufgefallen. Die Früchte sind noch grün, doch inzwischen entsprechend groß, dass es nicht mehr übersehbar ist. So ähnlich wie bei einer Schwangerschaft, bei der sich diese ab einem gewissen Zeitpunkt ebenfalls nicht verbergen lässt. In gut vier Wochen kann geerntet werden.

Also nehme ich mir vor, meine Gelierzuckervorräte aufzustocken und alles an Weckgläsern zusammenzusuchen, was ich bekommen kann. Denn es ist wie jedes Jahr: die Ernte kommt plötzlich und vor allem sind alle Früchte am Baum fast gleichzeitig reif. Da muss dann gehandelt werden, ansonsten freuen sich Vögel, Würmer und Insekten über das Fallobst, das im Rasen liegt und vor sich hin fault. Das gilt es möglichst zu verhindern. Wenn alles klappt, ist die Ernte vorbeibevor wir in den Urlaub starten.

Wie bekomme ich jetzt den Bogen zu meiner Überschrift? Das geht plump mit einem abruptem Themenwechsel oder etwas eleganter. Hm. Ich probiere es folgendermaßen: bei allen Überlegungen zu meiner bevorstehenden Marillenernte, habe ich es mir auf dem Sofa bequem gemacht. Die andere Hälfte meines Haushalts liegt in trauter Zweisamkeit ausgestreckt neben mir. Der Fernseher läuft. Wir schauen die heutige Etappe der Tour de France in der Konserve an.

Heute ging es für die Rennradfahrer über den Col du Tourmalet. Die Strecke kennen wir. Da sind wir vor ein paar Jahren ebenfalls drüber geradelt. Mit Gepäck und mit Gravelbikes. Was war ich oben fertig, total k.o. aber glücklich. Auf dem Weg dorthin halten wir nach unserer Unterkunft von damals Ausschau. Bevor die Häuserreihen aufhören, erahnen wir sie auf der linken Seite. Richtig sehen können wir sie nicht, schwelgen trotzdem in Erinnerungen und bei allen Anstrengungen: Schmerz vergeht, Ruhm besteht.

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