Ich stehe mit verschränkten Armen im Garten und weiß nicht recht wohin mit mir und mit meinen Gedanken. Mein drängendstes Gefühl ist Hunger, wie ich feststelle, obwohl es ganz gegen meine Gewohnheit heute ein richtiges Mittagessen gab. Die andere Hälfte meines Haushalts und ich arbeiteten heute beide im Homeoffice und da ich gerade eine Menge zu tun habe, hat er gekocht. Ausrufezeichen. Es gab Nudeln mit Pesto, die er mit ein paar Cashewnüssen und, aus Mangel an Parmesan, mit Feta reichte.
Gar nicht übel, dachte ich mir. Das könnte ich öfter gebrauchen, das rundum Sorglos-Paket. Ansonsten geht es an solchen Tagen meistens sehr flott bei mir und mitunter ungesünder zu, als es eigentlich sollte. Da sich ungesundes Essen insgesamt in Grenzen hält, bin ich großzügig mit mir und lasse es zu. Dogmatismus ist nichts für mich. Und als Gegenpol allen Übels war Yoga mein heutiger Ausgleich zu den Herausforderungen des Alltags.
Dehnen, strecken, räkeln – das kann ich gut. Ich atmete bedächtig ein und aus, rezitierte beim Sonnengruß das Mantra mit den anderen. Unsere Lehrerin war gnädig. Der Fokus lag auf langen Positionshaltungen und ich bin gefühlt einmal von Kopf bis Fuß gestretcht. Ich bin erneut fasziniert von dem Anblick, der sich mir in sämtlichen Drehliegenüberdenkopfhaltungspositionen bietet. Meine Wahrnehmung des Raums verändert sich komplett. Allein dafür, finde ich, lohnt es sich Yoga zu machen. Wer liegt schon freiwillig auf dem Boden und schaut zur Decke?
Jetzt stehe ich, wie gesagt, im Garten und schaue meine Pflänzchen an. Bis auf den Rasen gibt es bislang keine nennenswerten Verluste ob der Trockenheit. Meine Augusta-Luise blüht zum zweiten Mal, ebenso die Klematis. Von ihrem beeindruckenden Blau bin ich immer wieder fasziniert. So, das reicht mit in-der-Gegend-rum-schauen. Mein Magen knurrt und drängt mich dazu, das Abendessen auf den Tisch zu bringen.

