Der Wind peitscht mir um die Ohren, als ich mich aus der windgeschützten Lee-Seite des Hauses hervorwage. Sofort wehen meine Haare in alle Richtungen, zieht mir die Kälte unter die Jacke, tost es in meinen Ohren. Ich bewege mich auf die Mole zu. Dort, wo die Fährschiffe zu den Inseln ablegen. Das Salzwasser leckt am Kai, Gischt spritzt hoch. Die kleineren Schiffe, Yachten hauptsächlich, liegen festvertäut im Hafen. Der Wind surrt und lässt die Taue der Takelage in ihren Masten klappern. Weiter hinten stehen Schafe auf dem Deich. Mit ihren Ärschen voran behaupten sie sich gemeinsam gegen den Wind.
– – – – – – – – – –
„Ist es noch weit?“, frage ich die andere Hälfte meines Haushalts als er gnädiger Weise kurz stoppt, um auf die Karte zu blicken. Ich bin völlig erledigt, er schreitet forsch vorwärts. Irgendwann muss die verdammte Unterkunft doch in Sichtweite kommen. Nichts. Ich komme mir vor wie im Nirgendwo, dabei ist es nur die Rhön. Einsame Wege, Dreiländereck. Wo ist die Wasserkuppe? Warum hat er auf unserer Wandertour Keith Richards Lebenserinnerungen dabei? Das dicke Ding. Das wiegt fast alleine acht Kilo. Mehr Gepäck kann schwierig werden. Doch danach sieht er nicht aus. Bin gespannt, was mich morgen erwartet.
– – – – – – – – – –
Wir befinden uns auf unserer ersten Radtour quer durch Deutschland. Nachdem wir Bonn und Wuppertal passierten, ist unser Ziel heute Bochum. Unerfahren und naiv, hatte ich eine günstige Unterkunft direkt am Bahnhof gebucht. Das Hotel entpuppt sich als Alptraum. Es ist stickig im winzigen Raum, unsere Klamotten feucht von der Fahrt. Das Fenster lässt sich nicht öffnen und wenn wir die Klimaanlage anstellen, stinkt es nach Zigarettenrauch. Tauben gurren auf den verschissenen Oberleitungen. Tristesse wohin ich schaue und dennoch: unglaublich freundliches Personal.