#951 apropos Bücher

Apropos Bücher und apropos Erinnerungen, die Bücher mit sich bringen. Beim Regaleinräumen (# 950 Meilenstein 19) fiel mir ein ganz besonderes in die Hände:

Es war ein warmer Tag. Ob Frühling oder Sommer, daran erinnere ich mich beim besten Willen nicht mehr. Dafür ist es zu lange her. Ich lief an der Hand meiner Mutter. Ja, ich war wirklich jung. Ganz bestimmt nicht älter als acht Jahre. Wir gingen über die Straße, links an der Reihenhausreihe vorbei und erreichten die dort gelegenen Hintergrundstücke. Hier gab es einen kleinen Fußweg, der sich zwischen Wiesen hindurch bis zum Spielplatz schlängelte.

Auf der Wiese neben dem Spielplatz, fand ein Flohmarkt statt. Flohmarkt? Nie gehört. Als wir um die Ecke bogen, ging es los. Geschäftiges Treiben. Überall waren Tische aufgebaut. Tapeziertische, Bierbänke. Ich konnte mit meiner Nase gerade darüber schauen und erhaschte Blicke auf ein reichhaltige Sammelsurium: Spielzeug, Puppen, Matchboxautos. Kleidungsstücke hingen an fahrbaren Kleiderstangen, Haushaltsgegenstände, Schmuck, Ölgemälde und andere Schinken und schrecklich viele Bücher.

Meine Mutter trug meinen kleinen Bruder auf dem Arm und ich schaute ein wenig unsicher die Auslagen an. Ich wusste nichts über den Verkauf von gebrauchten Gegenständen und vom Feilschen verstand ich erst recht nichts. Einige Kinder, die ich aus meiner Grundschule kannte, waren ebenfalls mit ihren Eltern oder Geschwistern dort. Verkauften oder waren auf Jagd nach einem günstigen Angebot.

Im allgemeinen Kaufrausch, vielleicht damals ebenfalls angestachelt von dem Gedanken, selbst ein Schnäppchen tätigen zu können, blieb ich bei Pinocchio hängen. Der Name des Buches sagte mir was. Meine Hand spielte mit den paar Mark in meiner Hosentasche, die ich mir eingesteckt hatte. Mein sauer gespartes Taschengeld. Meine Mutter half mir, den Preis ein wenig zu drücken. So wurde Pinocchio das erste Buch, das ich mir selbst von meinem eigenen Geld kaufte. Der Grundstein meiner Bücherleidenschaft.

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