Wolken über Wolken, den ganzen Himmel entlang. Schäfchenwolken, Kumuluswolken, Schleierwolken, weiße Wolken und Wolken in sämtlichen Grautönen. Heute ist einfach alles dabei, als ich während meiner Heimfahrt den Himmel betrachte und staune über die sich mir darbietende Vielfältigkeit. Manchmal schieben sich regenschwangere Wolkenfetzen vor die anderen. Manchmal reißen sie auf und ein Sonnenstrahl taucht ein Stück vom gegenüberliegenden Hügel spotlichtartig in glänzende Helligkeit. Und das alles verändert sich von Minute zu Minute. Wie ein Streichorchester, das zum Höhepunkt der Sinfonie strebt und den Zuhörer noch im Ungewissen lässt, wie die Komposition endet. Sanft und versöhnlich oder mit fulminantem Donnerschlag.
Also sitze ich da und staune und schaue mir das sich mir darbietende Schauspiel an. Zuvor, auf meinem Weg zum Auto, waren sämtliche Vögel der Umgebung mit lautem Trällern beschäftigt. Lebensfroh und unbeschwert haben sie meinen Feierabend begleitet. Etwas anderes habe ich in diesem Jahr tatsächlich das erste Mal wahrgenommen: den unverkennbaren Duft von frischgemähtem Rasen. Sein Geruch. ist fast so gut wie der von frischer Farbe am Jägerzaun.
Überhaupt ist das meine ultimative Kindheits-Frühlingserinnerung: ein frischgestrichener Zaun. Auf Jägerzaun komme ich deshalb, weil in meiner Kindheit die Gärten in unserer Reihenhaussiedlung eben durch diese getrennt wurden. Wahrscheinlich gab es immer einen Nachbarn oder eine Nachbarin, die im Frühling mit Streichen beschäftigt war. Wenn mir der Farbgeruch in die Nase steigt, dann weiß ich, jetzt ist es soweit, jetzt ist er endgültig da.
Das Vogelgezwitscher begleitet mich auch, als ich zuhause angekommen bin und den Wagen um die Ecke geparkt habe. Meistens macht es mir nichts aus, die paar Schritte zu laufen. Im Gegenteil. Da ich keinen festen Parkplatz habe, nähere ich mich jedes Mal auf eine andere Weise meinem Zuhause, nehme andere Wege, komme woanders vorbei und sehe es ständig aus unterschiedlichen Perspektiven. So wird es nie langweilig.

