#840 „Betty Blue“

„Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ – wie langweilig ist das, frage ich mich, während die Sonne auf mein Hinterteil brennt. An dieser Stelle meines Körpers sind die vierzig Grad locker überschritten. Von meinem Kopf ganz zu schweigen. Eine Hitzewelle hat die Provence fest im Griff. Es ist viel früher heiß, als es das hier eigentlich sein sollte, so die Analyse unseres einheimischen Guides, der alle Angelegenheiten für unsere kleine Reisesportgruppe nonchalant regelt. Bisweilen verliert er sich ein wenig im französisch-deutschen Kauderwelsch. Kein Wunder bei dem, was er alles simultan übersetzen soll.

Heute ist der letzte Tag unseres Vereinsausflugs. Die obligatorische „Tour d’Honeur“ ist dran. Wir beschließen zum Triumphbogen nach Orange zu radeln. Flach. Meistens. Und eine relative Aussage. Gut, im Verhältnis zum Mont Ventoux ist das sicherlich richtig und für die mich umgebenen Athleten ein Klacks. Für mich eine Herausforderung nachdem ich seit vier Tagen hart am Limit meiner körperlichen Fähigkeiten unterwegs bin. Die Hitze schlaucht mich, wie mein fehlendes Training. Leider ist es dermaßen offensichtlich, dass ich nichts, aber auch gar nichts mehr schön reden kann.

Gefangen in meiner eigenen Leistungsmöglichkeiten, bin ich ziemlich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück katapultiert worden. Jeder winzige Buckel fühlt sich wie eine Mauer an und ich hyperventiliere ein wenig. Theatralisch. Mist, warum muss ich mich jetzt anstellen? Es geht nicht anders. Es ist einfach zu heiß und mein Kreislauf hat sich noch nicht wirklich an die Hitze angepasst. Die andere Hälfte meines Haushalts hat ein einsehen und schiebt mich vor sich her, jede Bodenwelle hoch.

Normalerweise würde ich mir diese Blöße nicht geben, wer macht das schon gerne? – gerade in der Gruppe – aber heute bin ich froh über seine externe Unterstützung. Zurück in unserer Ferienunterkunft sind alle happy, über das kühle Bier im Pool. Ich ganz besonders.

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