#844 run, Beatle, run

„Halt, nein“, rief ich, als die andere Hälfte meines Haushalts im Begriff war, die rot-schwarz gezeichnete Larve eines Marienkäfers über den Jordan zu schicken. „Bist du verrückt“, raunzte ich ihn an, „das sind meine Helfer im Garten“. Er schaute mich ungläubig und fragend an und dachte sich – ich konnte es hinter seiner Stirn förmlich lesen -: „was will sie jetzt von mir?“ Ich wiederholte mich schnell und warb bei ihm für Verständnis. Auch er mochte diese kleinen, kugelrunden Wesen mit der markanten Zeichnung auf dem Rücken. Das war mir von vornherein klar. Außerdem waren, wie jedes Jahr um diese Zeit, meine Rosen beliebte Siedlungsplätze für allerhand Läuse. Da kam mir jeder Käfer recht. In diesem Jahr waren es viele Larven. Seit Anfang Mai bevölkerten sie den Garten und gingen dort und im Haus auf Erkundungstour. Aufgrund ihrer auffälligen Färbung waren sie leicht von anderen Laven zu unterscheiden. Außerdem fand ich das erste Mal auf mehreren Blättern, einer meiner besagten Rosen, Larvenhüllen. Eine Hülle war bereits recht vertrocknet, aus einer anderen schlüpfte gerade ein neuer Käfer. Ich war wie immer, wenn sich die Natur auf diese Weise zeigte, fasziniert. Staunend wie ein Kind, schaute ich stundenlang dabei zu. Ich fand das spannend. Ob es euch ebenso gehen würde? Keine Ahnung. Wahrscheinlich war und bin ich dabei etwas speziell. Vielleicht. Vielleicht auch nicht, das mag ich nicht zu sagen. Dennoch, Häutungshüllen von Spinnen beispielsweise, fand ich oft, von Käfern bisher nicht. Als ich etwas später am Schreibtisch saß, bekam ich Besuch. War es jener, den ich vorhin beim Schlüpfen beobachtete? Das kann ich selbstverständlich nicht sagen aber er schien sich auszukennen. Als er meiner gewahr wurde, fiel er zunächst für einen kurzen Moment in Schockstarre, um kurz darauf wieselflink loszurennen. Ich schmunzelte, es sah echt komisch aus.

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