#843 Champions League

Während ich die Zwiebeln umrühre, die vor mir in der Pfanne brutzeln, höre ich, wie der Sprecher im Fernseher die Superlative auspackt. Der Sowieso ist einer der besten Standards-Trainer der Welt, diese und jenen Fußballer gehören ebenfalls hierin und dabei zu den besten der Welt. Die Stimmung kocht ähnlich hoch, wie mein Gemüse brät und die Kartoffeln im Ofen Farbe annehmen. Es könnte eine Weile dauern, bis es was zu Essen gibt. Der Grillmeister verfolgt gespannt das Geschehen und ich bin geduldig.

Außerdem hat die Szene etwas von jenem Spirit, der in mir die Schreibtore öffnet. Nachdem ich mit meinem Teil des Abendessens fertig bin: das Gemüse ist präpariert, der Dipp ist fertig, die Kartoffeln brauchen noch ein wenig – ich habe vorsichtshalber die Temperatur reduziert – geselle ich mich mit einem Glas Wein zur anderen Hälfte meines Haushalts aufs Sofa vor den Fernseher. Ich könnte mich genauso gut draußen aufhalten. Um uns herum wird geschaut und ein Raunen streicht von Zeit zu Zeit durch die Nachbarschaft.

„Der feine Techniker, der komplette Chef des Mittelfeldes“ sagt der Kommentator und fügt an: „Der Kopf muss über die Beine siegen“. Wie wahr. An dieser Stelle bin ich wieder mit im Spiel. Das hatte ich am Mont Ventoux auch: Krämpfe. Mit Gesichtern bemalte Oberschenkel werden hektisch massiert. Der Ton des Sprechers und der Zuschauer steigert sich. Höher und höher geht er hinauf. Das Geschehen kulminiert sich dem Höhepunkt, der Entscheidung entgegen. „Die Rasierklinge hat ausgedient, es braucht die Axt“ und „eine Standardsituation kann alles entscheiden“, als ob das Leben dran hinge, so kommt es mir vor.

Fußball ist, wie oft, eine ernste Angelegenheit. Die bangen Gesichter im Publikum zeugen davon. Adrenalin hängt in der Luft, ist greifbar. „Das Ticken der Uhr wird lauter“ Dramaturgisch könnte es nicht besser sein: Elfmeterschießen.

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