#846 Genießertour

Der Wecker schmeißt mich recht früh aus den Federn. Nix ist es mit ausschlafen und Müßiggang. Im Gegenteil. Heute habe ich eine ganz besondere Verabredung. Bestimmt ist es schon ein halbes Jahr her, dass wir uns den heutigen Tag für unsere zweier Mädels-Radtour aussuchten.

Eine Ausfahrt, die fest in unserer Sommerplanung verankert ist und bei der wir beide ohne die jeweils anderen Hälften unserer Haushalte auf die Strecke gehen. Das ist der Clou. Nach dem Motto: alles kann nichts muss, haben wir uns dieses Jahr den „Col de Hepsisau“ vorgenommen, rauf auf die Schwäb‘sche Alb.

Versehen mit allerlei guten Ratschlägen und gut versorgt mit ausreichenden Gels und Kohlenhydraten und Wasserflaschen und Riegeln starten wir zu unserem Abenteuer. Jeweils zwei Daheimgebliebene sitzen gespannt, mit Handy und Autoschlüssel parat, um im Falle eines Falles helfend eingreifen zu können. Jede Versicherung unsererseits, dass wir zurecht kommen werden, wird mit einem Zucken der Augenbrauen quittiert. Wohl dem, der ein aufmerksames Backup hat. Wir können uns jedenfalls nicht beschweren.

Das Wetter ist bestens, unsere Stimmung ebenfalls. Anstatt angestrengt im Windschatten eines Vordermanns fahrend, an dem wir auf biegen und brechen versuchen müssen, dran zu bleiben, radeln wir entspannt quatschend nebeneinander. So geht es schließlich ebenfalls und die siebenhundert Höhenmeter verteilt auf fünfzig Kilometer sind jetzt auch nicht nichts. Aber dieses Mal in unserem Tempo. Wunderbar.

Kirschbäume säumen unseren Weg. Alte, knorrige Bäume, die gerade, wie zum Trotz, ihre süßen Früchte mit Stolz tragen. Eine Schafherde steht blökend auf der Weide. Ein Milan kreist über unseren Köpfen und die Luft ist erfüllt von Vogelgezwitscher und dem leisen Rauschen des Windes in den Baumwipfeln und Rascheln in den Grashalmen. Wenn nicht das, was dann verdient den Namen: Genießertour. Stressfrei kommen wir zurück und drehen zum Abschluss, unserer Leidenschaft geschuldet, noch ein paar Bahnen im Freibad.

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