#861 Wasser marsch!

Sein T-Shirt ist klitschnass. Es klebt an seinem schmächtigen Oberkörper, Wasser tropft ihm aus den Haaren. Es dauert nicht mir lange, bis sich seine Shorts ebenfalls mit Wasser vollgezogen haben wird. Mit wildem Geschrei und völlig in sein Spiel und seinen Freund vertieft, quetscht sich der Junge zwischen der Hecke hindurch und dreht den Wasserhahn auf. Das Wasser spritzt in alle Richtungen und ein wenig läuft auch in den Tank seiner Wasserpistole. Ich sehe, wie seine Turnschuhe ebenfalls was abbekommen. Das macht nichts, bei dem schönen Sommerwetter. „Oh, hat der das gut“, denke ich mir während ich verbeilaufe und ihm und seinem Freund neidisch zusehe.

Beide Jungs sind mit Plastikgeschossen bewaffnet und toben durch die Gärten der Baugenossenschaft, die an unseren angrenzen. „Klasse, ich mache mit“. Das würde ich jedenfalls gerne. Allerdings hat irgendwer beschlossen, dass erwachsene Personen nicht mehr spielen dürfen – warum eigentlich? Bei den Temperaturen ist das doch sinnvoll, oder? Anstatt, dass sich alle ab einem gewissen Alter auf Brett- und Kartenspiele verlegen, wäre eine kleine Wasserschlacht eine angenehme Alternative.

Ich brauche ein Alibikind, stelle ich fest, damit ich auch endlich wieder den Nonsens machen kann, der Spaß bringt. Bis es soweit ist, schwitze ich in meinem luftigen Kleidchen vor mich hin und erinnere mich daran, wie wir früher uns ebenfalls gegenseitig jagten. Mit Wasserluftballons oder Spritzen. Meine Tante hatte mir für diesen Zweck große, dicke Spritzen aus dem Krankenhaus mitgebracht. Mit ein wenig Übung und einem, an einer Stelle gut positionierten Eimer mit Wasser, ging die Post ab. Der Strahl hatte ordentlich Kraft und ich konnte über eine gute Strecke ziemlich genau treffen.

Wahrscheinlich sahen wir Kinder damals am Wendehammer genauso aus, wie die beiden Jungs jetzt. Es ist erstaunlich, dass manche Dinge nie aus der Mode kommen. Wahrscheinlich, weil sie einfach nur gut sind.

Teilen:

Weitere Beiträge

#862 wie ein Gemälde

Mein Bewegungsradius war heute überschaubar. Barfüßig ging es neben Bett, Bad, Küche, Wohnzimmer und Arbeitsplatz einzig zu einem kleinen Ausflug

Weiterlesen