#869 so ein Theater

Zu Weihnachten hatte ich der anderen Hälfte meines Haushalts ein kleines Theater-Abo geschenkt. Gewissermaßen als kulturellen Ausgleich für sämtliche sportlichen Aktivitäten. Und getreu dem Motto: der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Erstaunlicherweise passt das Zitat aus dem Alten Testament (das habe ich extra „nachgeschlagen“) ebenfalls für meinen Sportler und mich als Anhang.

Ich hatte bereits davon berichtet (#835 Künstler oder was?). Und am Freitag war nun die letzte Vorstellung dran. Angelehnt an den aktuellen Kassenschlager: „Achtsam Morden“ von Karsten Dusse lagen zwei Stunden und vierzig Minuten Theaterschauspiel vor uns. Jedenfalls stand das auf den Karten. Das kam mir lang vor und schließlich und endlich war es das auch: ein wenig zu lang. Darüber herrschte bei uns Einigkeit, als wir kurz vor dreiundzwanzig Uhr den Rückweg zum Auto antraten.

Trotzdem war es wieder einmal ein Genuss, Schauspieler hautnah erleben zu dürfen. Drei Personen verwandelten sich in insgesamt fünf Charaktere. Logistische Probleme und die Bühne beschränkende Möglichkeiten wurden kreativ gelöst. Eine Kreativität, die mich schon beim Besuch von „Stolz und Vorurteil“ beeindruckt hatte. Nicht nur mich. Meinem Sportler gefiel es ebenfalls und er erzählte mir, dass er für die nächste Saison beruflich plante, anstatt den Sport, die Kunst zu fördern.

Die Idee fand ich gleich gut und bei den aktuellen Kürzungsgespenstern, die uns überall hin verfolgen und deren Ausmaß uns möglicherweise wenig bis gar nicht bewusst ist. Was würden sie doch fehlen, die kleinen Bühnen, Kunstprojekte jedweder Art, sollten sie tatsächlich verschwinden. Ich mag es mir nicht vorstellen.

Wäre es nicht erschreckend, würden wir, der Pöbel, wie im Alten Rom, einzig mit Brot und Spielen ruhig gestellt? Wenn gigantische Sportveranstaltungen unsere Gesellschaft prägten, in der die freien Künste nur eine marginale Rolle spielten? Sich über Kunst zu streiten ist die bessere Alternative, als es nicht zu können.

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