#870 Stadt, Land, Fluss und Meer

Draußen ist es angenehm. Der Wind streicht ums Haus und die Wärme ist wohltemperiert. Schöne Aussichten, besonders am Feierabend. Ich sitze auf meinem Küchenbalkon und versuche, dem Stress des Tages Herrin zu werden. So ganz gelingt mir das nicht. Es ist einfach viel los im Moment, ob ich es will oder nicht.

Um mich auf ein Thema zu fokussieren, das Bild habe ich schon und auch eine Idee, über was ich schreiben will, scrolle ich in den Nachrichten umher. Bei einer Schlagzeile bleibe ich hängen: „Der Strand ist viel mehr als ein Urlaubsort: er kann Stress lindern, neue Energie schenken und zu einem Ort persönlicher Verbundenheit werden“ (Focus). Wie wahr. Auf mich trifft das zu einhundert Prozent zu.

Mal abgesehen davon, dass Wasser sowieso mein Element ist, hat der Strand, oder vielmehr das Meer eine ganz besondere Anziehungskraft. Manifestiert in der Unendlichkeit. Tanzt das Sonnenlicht auf den Wellenkämmen sieht es oftmals aus, als funkelten die Sterne bei Tag. Ein Stück Himmel auf Erden und fast genauso weit. Jedenfalls in meiner Vorstellung. Denn Unendlichkeit kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ein sich ausdehnendes Universum gleich dreimal nicht. Da reicht mir der Gedanke an die Tiefsee und das finde ich schon schwer genug.

Vergangene Woche gab es einen ganz anderen, aber dennoch vergleichbaren, Reiz für mich. Mit einer Gruppe von Leuten hatte ich eine Führung durch die Weißenhofsiedlung. Dabei haben wir unter anderem die Architektur von Le Corbusier besichtigt. Fantastisch. Zeitlos. Elegant. Kreativ. Praktisch. Das gilt für alle Architekten der Siedlung. Formen und Farben, Sichtachsen mit Ein- und Ausblicken und bahnbrechenden Ideen. Allesamt Orte, die zweifelsfrei ebenfalls in der Lage wären, seinen Bewohnern Energie zu schenken. Und das, seit bald einhundert Jahren. Architektur kann, im Kleinen natürlich, eine ebensolche Anziehung wie das Meer hervorbringen.

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