Kaum nähern sich die Sommerferien, ist es wie jedes Jahr zu dieser Zeit: der Verkehr verlässt seine angestammten Pfade und wird umgeleitet. Mir schwant Böses, als ich die noch nicht aktivierten Schilder auf der Autobahn am linken und rechten Fahrbahnrand wahrnehme. In Verbindung mit den rot markierten Stellen auf der Strecke bedeutet das wohl, dass hier wieder gebaut wird. Zum zweihunderttausendsten Mal.
Gemeinsam mit den anderen Daheimgebliebenen und den gen Süden Reisenden aus dem In- und Ausland, teile ich mir in den nächsten Wochen die Autobahn. Die Liedzeilen von Fehlfarben kommen mir in den Sinn: „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!“ Der Song aus den 80ern könnte heute geschrieben worden sein. Der ironische Text beschreibt, damals wie heute, die Verhältnisse. Es hat sich nichts geändert. Gar nichts.
Meine Kollegin trifft es gerade ebenfalls. Sie ist mit den Öffis unterwegs. Da heißt es jetzt wieder Stammstreckensperrung mit Schienenersatzverkehr bis zum Ende der Sommerferien. Großartig. Sobald die Ferien beginnen, wird der Spaten ausgepackt. Eine Baustelle, eine Umleitung, ob groß oder klein, ploppt aus dem Boden. Schön wäre es, würden sämtliche Baustellen rechtzeitig zum Schulbeginn fertig. Erfahrungsgemäß tun sie das leider nicht.
Ich merke, wie mir die Verkehrssituation zunehmend auf den Keks geht. Es nervt. Besonders hier in Stuggidings. Es wird und wird einfach nichts fertig. Es gibt keine Atempause, weil kein Ende in Sicht ist. Da hilft das grüne Ampellicht auch nicht weiter. Spöttisch betrachtet könnte das Pferdle, jedenfalls soll es das Pferdle von Äffle und Pferdle der SWR-Kultfiguren sein und kein Drache (!) darüber hinwegtäuschen, dass im Schwabenländle weniger gekonnt wird, als gedacht.
Puh, wie bekomme ich jetzt den Bogen zu einem versöhnlichen Ende? Das ist ganz einfach: so lange ich mich darüber aufrege, habe ich keine Probleme. Und diese Erkenntnis hebt die Laune ungemein.

