Was es nicht alles gibt. Ich bin erstaunt über den Anblick, der sich mir bietet und den ich gerne mit euch teilen möchte. Ich halte es nämlich für etwas Besonderes. Also passt auf.
Unser Flurlicht spiegelt sich durch das Fenster in der Tür zur Küche und wird von dort, durch das Küchenfester auf die gegenüberliegende Hauswand geworfen. Was? Hä? Habt ihr was nicht verstanden? Ist doch ganz einfach – oder nicht? Ich bin gerade selbst dabei, das um drei Ecken gedachte Phänomen zu verstehen. Deshalb kommt hier eine ausführlichere Situationsbeschreibung:
In unserem Wohnungsflur brennt Licht. Dieser Flur ist fensterlos und hat demzufolge keinen Kontakt zur „Außenwelt“. Im Flur hängt ein Bild, ein geklautes Poster aus einer U-Bahn-Station, an der Wand. Die andere Hälfte meines Haushalts hat es sorgfältig abgerissen. Es ist die Konzertankündigung von „The Who“. Vielleicht erkennt ihr es.
Als ich nun aus dem Küchenfenster schaue, sehe ich Justamente dieses Poster, wie es mich von der gegenüberliegenden Hauswand anschaut. „Huch, wie kommt das denn dorthin?“, frage ich mich. Sehe ich wirklich richtig? Das kann nur ein „Trompe-l’oeil“ sein.
Ich bin neugierig und versuche den Weg des Posters nachzuvollziehen. Das erste Mal wird das Bild durch den Glasausschnitt, der sich in unserer Küchentür befindet gespiegelt. Dieser Glasausschnitt in der Tür befindet sich nicht nur in einem rechten Winkel zum nahegelegenen Küchenfenster, sondern auch zum Ursprungsbild. Ist das wichtig? Keine Ahnung, aber es fällt mir auf.
Das Küchenfenster führt in den Hof hinaus. Draußen ist es dunkel. Deshalb erscheint es so, als blickte ich in ein real existierendes Fenster. Diese Eigenschaft unserer Wohnung ist mir bislang noch nicht aufgefallen. Sowas. Zähle ich nun die Spiegelungen zusammen komme ich auf insgesamt drei: links, rechts und wieder links. Das muss der Grund dafür sein, weshalb es draußen Spiegelverkehrt erscheint. Faszinierend.

