Einer spurtet schnell und bleibt schnaufend im Gang stehen, missachtet die freien Plätze, die es noch überall gibt. Mit einem ‚wiu wiu wiu‘ und blinkenden Lichtern schließen sich die Waggontüren. Die S-Bahn setzt sich pünktlich in Bewegung.
Ich betätige den Knopf der Zusammenklappfunktion meines Regenschirms, halte das tropfende Ding in den Händen und überlege: wohin jetzt damit? Ich habe keine Lust, die Plastiktüte, die ich extra dafür im Gepäck habe, heraus zu holen.
Schließlich lege ich ihn zwischen mich und den nächsten Sitz auf die graue Plastikfläche. Damit bleiben die Sitze trocken. Bin gespannt, ob ich ihn nachher, wenn ich in meiner Kleinstadt angekommen bin, brauchen werde. Ob es dort, ein paar Kilometer weiter ebenfalls regnet.
Es war ein schöner Abend, wie immer, wenn wir uns treffen. Gemütlich vertraut wie eh und je. Zu bequatschen gab es viel. Und genauso viel zu schauen. Wunder der Technik oder der Bequemlichkeit, ganz wie es jede und jeder von uns betrachten mag.
Am Tisch neben uns saß ein junges Paar mit Kinderwagen. Dieser bewegte sich von Zauberhand im gleichmäßigen Rhythmus hin und her. Elektrisch. Wir waren fasziniert. Kein Schuckeln per Hand am Griff und keinen lahmen Arm davon. Kein Rollen des Fußes über eines der Räder, damit er in Bewegung bleibt war dafür notwendig. Äußerst praktisch, oder auch nicht?
Ein Motor spielt den Kinderwagenschaukler. Wie ein Metronom hält der Wagen den Takt. Ein paar wenige Zentimeter vor und zurück, vor und zurück. Die Richtungswechsel sehen von außen betrachtet abrupt, zackig aus und weniger wie ein sanftes Wiegen. Ob das angenehm ist oder eher Kopfschmerzen verursacht? Keine Ahnung. Wahrscheinlich ist dieses Feature das neueste „must have“ in der Elternszene und bestimmt ist alles TÜV-Geprüft. Trotzdem denke ich unweigerlich an ein Chemielabor, in dem Reagenzgläser, die auf einem Schüttelbrett in Bewegung gehalten werden.

