#933 Verpuppung

Der Morgennebel ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich der Sommer langsam aber sicher verabschiedet, um dem Herbst das Spielfeld zu überlassen. Sofern ich es sehen kann. Heute früh lag der Acker verborgen unterm Schleier am Straßenrand. Die teilweise beschlagenen Scheiben des Autos waren ebenfalls am Verschwinden beteiligt. Die Klimaanlage meines Fahrzeugs tat ihr bestes, die Scheibenheizung ebenfalls. Alles pfiff und blies um mich herum. Kontrollleuchten zeigten an, was beheizt, belüftet wurde und ich saß mittendrin. Mittendrin und draußen der Nebel. Der Nebel war wunderschön.

Ich mag diese Zeit im Herbst, wenn der Tag wie in Watte gepackt beginnt und alles, was offensichtlich sein sollte, verborgen daher kommt. Wenn sich die Sonnenstrahlen versuchen durchzusetzen und sie nicht mehr die alleinigen Herrscherinnen des Tages sind, ausgebremst von der herannahenden Stille des Herbstes am Morgen. Der Sommer geht und ich lasse ihn in diesem Jahr ohne Wehmut, vielleicht nur mit einem kleinen Bisschen, ziehen, schließlich gab es reichlich Sonnenschein. Sonnenschein, den ich genossen habe.

Das Jahr wechselt in seine Übergangszeit. Die Welt beginnt sich zu verpuppen. Bunte Blätter. Altweibersommer. Apfelernte, Traubenlese, neuer Wein, ein neuer Jahrgang. Ernte. Die ersten Atemwölkchen der Saison, wenn es draußen kühler wird. Der Herbst treibt seinen Wind voran, der Regen peitscht und macht uns von der Seite nass. Der Reifenwechsel steht an im Rhythmus der Jahreszeiten und die sonntägliche Radausfahrt wird mit einem heißen Tee auf dem Sofa beendet. Vielleicht gibt es ein Stück Pflaumenkuchen dazu.

Ich muss noch einmal den Rasen mähen, denke ich mir, wenn ich jetzt durch das Wohnzimmerfenster nach draußen schaue. Der Waschzuberteich ist trockengefallen und der Frosch thront weiterhin auf dem Blumentopf, nun allerdings über einem Sumpfgebiet. Im kommenden Frühling gibt es ein make over, habe ich mir überlegt. So lange muss er sich gedulden und dazu im Schuppen überwintern.

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