Ich sitze verkehrt herum auf der obersten Sprosse der Leiter und schaue der anderen Hälfte meines Haushalts beim Streichen zu. Shorts und Socken, altes Finisher T-Shirt vom Triathlon und einen Hut auf dem Kopf, bewegt er die Rolle vor und zurück, tunkt sie wieder und wieder in die kleine Wanne mit Abstreichvorrichtung, während ich mir derweil ein Päuschen gönne.
Dabei löffle ich meinen Stracciatella-Joghurt. Der für bestimmte Momente. Jetzt ist so ein Moment und da ich das gestern bereits ahnte, habe ich ihn im Supermarkt mitgenommen. Aus demselben Grund fanden Maultaschen und Kartoffelsalat ihren Weg an die Kasse. Am Wochenende muss es schnell gehen, wir starten unser DIY-Projekt:
Streichen. Alle Räume. Auch die Decken. Dieses und nächstes Wochenende. Halleluja.
Mit dem ersten Handschlag zieht das Chaos ein. Wir räumen „rom un nom“. Schieben Tische und Stühle, Sofas, Teppiche, Dekoartikel (ich dachte bislang, wie seien diesbezüglich minimalistisch ausgestattet) zur Seite und wieder zurück. Je nachdem, wo gerade Action ist.
Im Kopf sortiere ich bereits aus. Gut, dass wir vorsorglich zwei Müllsäcke für zusätzlichen Restmüll im Baumarkt mitgenommen haben. Schließlich ist bei der ganzen Plackerei eine Generalsanierung dafür gut: ausmisten und gleichzeitig hinterm Schrank putzen. Alle paar Jahre. Bloß nicht übertreiben.
Sämtliche Utensilien halte ich gleich mehrfach in Händen und suche trotzdem ständig irgendwas. Klebeband, Schere, Abdeckfolie, Spülschwamm, Putzlumpen, Zollstock. Das Ausräumen der Spülmaschine fällt erstmal flach, die Küchenschränke sind unter Abdeckfolie verschwunden. Planungsfehler.
Der Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Weiß…erstaunlich. Mein to do, Stuckkanten streichen, ist erledigt. Endlich zahlt sich meine Beidhändigkeit aus. Sehr praktisch. Wenigstens beim Putzen und Streichen. Würde lieber eine zweite Sprache perfekt, ein Instrument oder etwas ähnliches können. Aber wer kann sich seine Talente schon aussuchen? Versunken in diese Gedanken, ist mein Joghurt gegessen und ich muss wieder ran. Fußleistenabkleben wartet auf mich.

