Da mir der Bus vor der Nase weg fuhr, habe ich nun genügend Zeit die Aushänge am ehemaligen Blumenladen (#904 das, was übrig bleibt) neben der Haltestelle anzuschauen. Schnell sind seine toten Scheiben zum Leben erweckt worden.
Gleich zwei Zirkusse werben für ihre Vorstellungen. Die Stadtkirche lädt zum Requiescant ein, ein kleiner Kater wird schmerzlich vermisst. Eine junge Frau bietet Mathenachhilfe an und ich könnte mich, sofern ich es wollte, bei einem Malkurs für mein Seelenheil anmelden. Für Kinder zwischen 10 und 14 gibt es einen Kochkurs in der Kirche gegenüber.
Alles Alltäglichkeiten, stelle ich fest. Ganz normal, ganz friedlich. Dinge, die in jedem kleinen Kosmos unserer Welt ihre Daseinsberechtigung haben und das ist gut. Sogar sehr gut, zerfällt doch Vieles. Die Aggressivität steigt. Ganz plakativ in Form von diversen Kriegen um uns herum, weniger tödlich im Form von verbalen Attacken. Jedenfalls empfinde ich es so. Da sind Aushänge wie diese geradezu eine Wohltat. Normalität eben.
Mein Bus kommt und ich stecke mit ihm und den anderen Fahrgästen erstmal im Stau fest. Klar, was sonst? Das könnte knapp werden und ich positionieren mich schon mal an der Tür. Am ZOB schwinge ich die Hufe und renne mit den anderen um die Wette zum Gleis (#937 Arbeitsplatz A3.16). Dabei Versuche ich, möglichst mit niemandem zu kollidieren. Geschafft, gerade noch rechtzeitig.
Oben werden Reinigungsarbeiten durchgeführt. Ein Arbeiter zielt mit dem Hochdruckreiniger auf den Bodenbelag des Bahnsteigs. Alles ist nass, das Wasser spritzt. „Muss das jetzt sein?“, fragt jemand mit Blick auf seine Uhr. Das frage ich mich ebenfalls. Der arme Tropf kann nichts dafür, hat nichts dergleichen selbst entschieden, kassiert aber den Ärger der Pendler. Ändert nix an seiner Tätigkeit, für die es bestechende Gründe geben wird. Die Bahn kommt und ich plumpse auf den ersten freien Sitz

