Am Ende meiner Trainingseinheit stehe ich auf dem Wackelbrett. Meine Balanceübung ist dran. Ich mache das gerne zum Schluss, weil es mich runter bringt und meinen Geist fordert. Ich merke sofort, ob ich mich konzentrieren kann oder nicht, da das Board unerbittlich reagiert. Also spanne ich meine Muskeln an, fixiere einen Punkt, scheuche überflüssige Gedanken aus meinem Kopf, wären da nicht diese Parallelen…
Immer schön in Balance bleiben, lautet die Devise, selbst dann, wenn es schwer fällt. Ach, es ist eine Krux damit. Schließlich gibt sich das Pendel des Lebens selten mit einem gleichmäßigen Schwung zufrieden. Von ausgeglichener Ruhe gar nicht erst zu reden. Wobei sich hier die Frage stellt, wieviel Ruhe und Ausgeglichenheit wirklich förderlich ist. Stillstand ist weder interessant noch befriedigend. Wie immer ist alles eine Frage des richtigen Maßes. Ich bin mir sicher, dass die Intensität der Pendelbewegung typ-, generationen- oder lebensphasenbedingt unterschiedlich ausfällt. Was meint ihr?
Manchmal kommt hinzu, dass unser Pendel durch äußere Umstände mehr und mehr schwingt. Oft verheißt das nichts Gutes, muss allerdings nicht zwangsläufig der Fall sein. Es kommt drauf an. Es kommt drauf an, wer das Heft des Handelns in der Hand hält. Sind es äußere Einflüsse, die wir nicht steuern, nicht aus eigener Kraft wieder ins Lot bringen können? In jedem Fall hat jeder und jede von uns sicherlich unterschiedliche Strategien entwickelt, um damit umzugehen.
Eine Möglichkeit wäre, der untersten Stufe auf dem Weg zur Erleuchtung (lacht jetzt nicht, ich meine es ernst ;-)) zu folgen, die sich im Yoga: ahimsa nennt, was Gewaltlosigkeit bedeutet. Jede:r, der/die den Film: Gandhi gesehen hat, weiß was ich meine.
Blicken wir auf die geopolitischen Entwicklungen um uns herum, könnten wir alle ahimsa gebrauchen. Manche Menschen in exponierter Stellung mit Sicherheit mehr, als sie sich vorstellen können und wenige weniger davon. OM.

