#774 sie fliegen wieder

Ich hatte befürchtet, dass die Pollenjägerinnen noch nicht aus ihren Winterquartieren heraus gekommen sind. Scheinbar habe ich mich geirrt. Die erste Biene des Jahres hat sich in unser Wohnzimmer verflogen. Ich hatte es nicht mitbekommen und deshalb sehe ich erst viel später, dass ihr kleiner Körper vor der Fensterscheibe am Boden liegt.

Das darf nicht sein. Da ist sofortige Hilfe dringend notwendig. Sie bewegt sich. Etwas. Wegfliegen schafft sie nicht mehr, als ich ihr das Blatt Papier langsam unter den Leib schiebe und sie vorsichtig darauf nach draußen trage. Die Biene kommt mir erschöpft vor. Wahrscheinlich hatte sie bis zum Flug in unser Wohnzimmer nicht ausreichend Zeit, sich mit Pollen und Nektar zu versorgen.

Da kann ich behilflich sein. Ich nehme sie also mit in den Garten und setze sie auf der Kornelkirsche ab. Dort findet sie hoffentlich genügend von dem, was sie jetzt braucht. Ihre Lebensgeister scheinen wieder geweckt zu sein, denn sie krabbelt, erst langsam, dann weniger vorsichtig, auf die Blüte. Krabbelt auf ihr herum und sucht nach Essbarem. Ich lasse sie nun in Ruhe, gehe wieder ins Haus und hoffe das Beste für sie. Wirklich viele Insekten konnte ich bislang nicht beobachten. Ihr vielleicht?

Nicht nur die Kornelkirsche, sondern auch meine Blutpflaume hat, angeregt vom milden Wetter der letzten Tage, einige Blüten geöffnet. Bald wird der Baum in ein blas rosafarbenes Blütenmeer getaucht sein. Ich hoffe, dass es genügend Insekten geben wird, die dann von Blüte zu Blüte fliegen und die Bestäubung übernehmen.

Letztes Jahr kam ein Kälteeinbruch, hat die Insekten verjagt und die Blüten unbestäubt gelassen. Leider. Es gab keine Blutpflaumen, die ich hätte ernten können. Nichts. Keine Frucht am gesamten Baum. Das erinnert mich und euch daran, wie wichtig es ist, unser Ökosystem zu schützen. Denn am Ende trifft es uns.

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