#778 Kehrwoche

Erstaunlich. Erstaunlich wie schnell sich die Laune hebt, ist das Wetter nur ausreichend schön. Selbst ungeliebte Tätigkeiten bekommen jene spielerische Leichtigkeit, die ich ansonsten im hintersten Winkel meiner persönlichen Ambitionen suchen muss. Doch heute nicht.

Der Einkauf ist erledigt, die Waschmaschine läuft und der Sonnenschein lädt zur Gartenarbeit ein. Hier gibt es immer etwas zu tun, wie ihr wisst. Zu allem Überfluss und, wie gesagt, nur dem schönen Wetter und meiner guten Laune geschuldet, hole ich Besen und Kehrblech heraus.

Die kleinen Splitsteinchen, die sich in den Kuhlen des Waschbetons in unserer Hofeinfahrt eingenistet haben, nerven mich schon seit geraumer Zeit. Ehrlich gesagt seit dem Tag, an dem ein paar Zentimeter Schnee gefallen waren und irgendwer aus dem Haus den Weg zwischen Haustür und Hoftor sichern wollte. In guter Absicht. Wahrscheinlich.

In unserer Villa Kunterbunt war das erste, was wir als Hausgemeinschaft abgeschafft haben, die Kehrwoche. Das Kehrwochen-Schild, das vermutlich ein ähnliches Alter wie unser Haus aufweist, hängt seitdem unbeachtet am Kellerabgang. Das ist gut so, denn es geht auch ohne. Vielleicht ist es nicht perfekt und vielleicht entspricht unser Standard nicht dem eines echten schwäbischen Haushalts aber für uns ist es okay.

Aus diesem Grund fasse ich mir ein Herz und beginne zu fegen. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich es will. Das ist nicht die schlechteste Voraussetzung für eine zufriedenstellende Arbeit für die Hausgemeinschaft. Das Fegen ist geradezu meditativ, ein positives Ergebnis sofort sichtbar. Was will ich mehr?

Ich treffe meine Nachbarin. Wir plauschen ein wenig, schauen uns die keimenden Blümchen an, die sie gut im Griff hat. Dann kümmere ich mich um ein paar Kleinigkeiten im Garten, befreie den Waschzuberteich vom Laub des letzten Herbstes und überlege angestrengt, wo ich den schwimmenden Springbrunnen überwintert habe. Ich muss in den Keller und dort suchen.

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