Abfahrt ist für neun Uhr geplant. Geplant wohlgemerkt. Das Wetter wird richtig gut, also heiß werden. Mehrere Umstände führten zu weiteren Verzögerungen und unser dreier Mädels-Team startete verspätet nach Sault. Ein kleines, pittoreskes Städtchen am Fuß des Mont Ventoux. Zum „Einstieg in den Berg“ mussten wir, anders als der Rest der Radgesellschaft, die den schnelleren, kürzeren aber dafür steileren Anstieg über Bedoin wählten, erst eine knappe Stunde mit dem Auto fahren.
Kein Problem, unserer ist weniger anstrengend. Obwohl, anstrengend hier eher blasphemisch bei meinem aktueller Trainingsstand ist. Gut, dieses Manko muss ich mir selbst zuschreiben.
Es kommt, wie es kommt, ich hinke hinterher. Wie so oft, oder eigentlich immer, weil ich im Verein mich mit denjenigen messe, die einfach besser sind als ich. Was soll ich sagen, irgendwer muss sich mit der roten Laterne rumplagen und mein Abo ist heute in die Verlängerung gegangen. Ich kann allerdings leider nicht sagen, dass es mich völlig kalt lässt. Der Stachel piekst bisweilen und verlangt mir eine Menge ab. Nicht körperlich, sondern mental.
Aber mein Schweinehund ist ein guter Lehrmeister. Heute hat er mich begleitet, Stück für Stück, hat sich mir knurrend in den Weg gestellt. Hat mir auf den letzten sechs Kilometern, dort, wo der Berg kahl und ungemütlich wird, mich mit Krämpfen geplagt. Rechter Oberschenkel, linker, beide. Ließ der Schmerz nach und ich nahm einen neuen Anlauf, ging es wieder los. Also blieb mir nichts anderes übrig, als den letzten Kilometer per Pedes zurück zu legen.
Jetzt aufgeben, keine Chance. Egal wie lange es dauert und wie schmerzhaft es ist, ich werde auf den Gipfel gelangen. Es fühlt sich semi gut an. Ich war oben aber irgendwie doch nicht. Nun nochmal mache ich das in diesem Jahr gewiss nicht. Mein Schweinehund nickt, während ich die Zeilen schreibe.

