#838 Wasser

Abstoßen, Tauchzug, kraulen. Arm weit nach vorne strecken, Schulter eindrehen. Eintauchen. Arm an der Körperseite bis nach hinten an den Oberschenkel ziehen. Ellenbogen dabei oben lassen, Unterarme abwinkeln. Druck aufbauen. Unter Wasser ausatmen, den Kopf über die Schulter nach hinten drehen, einatmen. Unter Wasser dient mir ein kreisrunder Abfluss in der Mitte des Pools zur Orientierung, sonst würde ich zickzack schwimmen, mich im ewigen Blau des Wassers verlieren.

Ich beende meine Bahnen und lehne mich, das Kinn auf den gekreuzten Armen aufgestützt, halb aus dem Pool, der mir an seine Längsseite den Blick auf die Ebene und das dahinterliegende Tal freigibt. Eingerahmt von zwei Palmen, deren fingergleichen Blätter sich sanft im Wind bewegen, schweift mein Blick über die Landschaft.

Die Kronen der Olivenbäume werfen kreisrunde Schatten auf die helle Erde zu ihren Füßen. High Noon. Eine Elster fliegt vorbei, einen Wiedehopf sah ich vorhin genauso wie eine Taube, die einen schnellen Schluck Wasser aus dem Pool nahm.

Nadelbäume, Kiefern hauptsächlich und Olivenbaumplantagen, mit ihren silbriggrünen Blättern, prägen das Bild, das sich mir bietet. Vereinzelte Ginsterbüsche leuchten dazwischen in knalligem Gelb. Das noch recht junge Laub der Weinstöcke bildet einen schönen Kontrast zum dunklen Grün der schmalaufgeschossenen Zypressen, die wie spitze Nadeln aus der Landschaft hervorlugen. Zu meiner Rechten erheben sich zwei kleine, felsige Hügel, die in Form und Umfang nahezu identisch, aus meiner Perspektive wie die Brüste einer Frau erscheinen.

Ich bin allein. Die Meute ist ausgeflogen. Zu den kurzen und den langen Radtouren mit mehr oder weniger Höhenmetern, zu Besichtigungstouren oder zu was auch immer jedem und jeder der Sinn stand. Nach meiner gestrigen Herausforderung (#837 Schweinehund, Part 1910) will ich heute im Wasser meine Wunden lecken. Ruhig meine Bahnen im kalten Wasser ziehen, das meine müden Muskeln streichelt und meine Seele gleich mit, sooft ich mag.

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