#852 Post von einer Schnecke

Ich lasse den Stift fallen und fahre den Rechner runter. Feierabend für heute und auf zum nächsten, anstehenden Termin. Ich liege gut in der Zeit, was nicht häufig der Fall ist aber ich bin relaxed. Als ich die Wohnungstür öffnen will, fällt mein Blick auf die Karte, die unter der Tür durchgeschoben, mich als unerwarteter Gruß erreicht. Welch nette Post flattert mir denn da ins Haus, denke ich mir, hebe sie auf und schaue mir das Kunstwerk genauer an.

Es ist eine Schnecke, die Skateboard fährt. Wie verblüffend, wenn das nicht gerade jetzt passt. Meine Woche ist nämlich vollgespickt mit Terminen, dass ich mich fast wie die Schnecke fühle, die ihren normalen Rhythmus aufgrund ungeplanter Schnelligkeit verlässt. Ohne zu behaupten, ich wäre ansonsten eine Schnecke. Doch diese Woche hat es in sich. Neben dem Broterwerb und meiner Schreiberei habe ich sieben weitere Aufgaben, die meine Aufmerksamkeit erfordern und denen ich allesamt gerecht werden will. Das passiert nicht häufig und war anders geplant, aber manchmal kommt eins zum anderen und dann ist es so, wie es ist.

Meine Einstellung stimmt, stelle ich fest. Ich beschließe, nicht auf jeder Hochzeit zu tanzen. Deshalb werde ich zumindest in einer Angelegenheit spontan entscheiden, ob ich sie wahrnehme. Das führt zur Entspannung und zeigt einmal mehr, wie die Einstellung über das Gelingen entscheidet. Manchmal muss die Schnecke eben vom Skateboard steigen.

Ein Herz finde ich auf der Karte und auf der Rückseite steht in sauberen Lettern der Name der Absenderin. Da hat sich jemand viel Mühe gegeben. Ein Lächeln umspielt meinen Mund. Gibt es eine nettere Art der Freude, die unverhofft in kleinen Gesten daher kommt, ohne dass wir sie erwarten? Selbstverständlich werde ich mich gebührend bei der Malerin bedanken und die Karte als gute Laune Erinnerung in Ehren halten.

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