Was täte ich ohne meinen Küchenbalkon? Das ist eine rein rhetorische wie hypothetische Frage, denn sie stellt sich mir einfach nicht. Ich habe einen auf dem ich die Abendsonne genieße und hätte ich ihn nicht, säße ich halt woanders.
Früher hatte ich schon mal einen. In unserer ersten Wohnung im Schwabenland. Klein und schmal war der und führte nicht, wie hier, in den Garten hinaus, sondern ließ mich directamente gegen die nächste Hauswand schauen, die ich, über die Einfahrt hinweg, fast mit dem ausgestreckten Arm erreichen konnte. Naja, fast jedenfalls.
Wie jetzt, wohnten wir damals im Hochparterre. Das war mit dem Balkon sehr praktisch, denn wir fuhren mit dem Wagen einfach rückwärts in die Einfahrt, öffneten die Heckklappe und luden sämtliche Taschen mit unseren Einkäufen, Paletten mit H-Milch, Toilettenpapier, Getränkekisten über seine Brüstung. Alles, was ein 4-Personenhaushalt für eine Woche benötigte.
Auf diese Weise mussten wir nicht alles durch den Flur die Treppe rauf schleppen. Meistens teilten wir uns auf. Einer lud aus, der/die andere verstaute die Einkäufe im Kühlschrank oder der Vorratskammer, die sich direkt neben dem Balkon befand. Äußerst praktisch. Ich verstehe gar nicht, warum heute nicht mehr so gebaut wird. Etwas kühl zu lagern, für Getränkekisten, die dann nicht im Weg rum stehen, für Konserven oder andere Utensilien wie Raclette oder Fondue-Topf eignet sich eine Vorratskammer besonders gut. Letztgenannten kommen sowieso maximal einmal pro Jahr zum Einsatz.
Zwar trage ich meine Einkäufe immer noch durch die Hintertür ins Haus. Das liegt allerdings daran, dass ich meistens mit dem Fahrrad einkaufe. Sein Platz ist neben dem Schuppen, das ich dann neben dem Schuppen abstelle. Die Kinder sind groß und ausgeflogen.
Da ich vorhin eine Minirunde joggen bin, genieße ich jetzt die Abendsonne, strecke meine Gräten aus und bereite mich mental auf meine Schreibarbeit vor, zur Entspannung.

