#916b schlafen – Fortsetzung

Ich muss die Versicherung kündigen, fällt es mir siedendheiß ein. Ich setze mich an einen braunen, runden Tisch und überlege, was künftig notwendig oder was überflüssig geworden ist. Nun, meine Adressänderung wenigstens, sollte ich unbedingt mitteilen.

Dann bin ich in meinem neuen Zuhause. Es fühlt sich noch etwas komisch an. Beim Gang durch die Räumlichkeiten, übrigens einer Wohnung von 1880 mit Stuck an der Decke und Malerei an der Wand, bin ich fasziniert, wie schön es hier ist. Die Malerei über dem Esstisch gefällt mir besonders gut. Sie zeigt eine Strandszene im Stil der 1920er Jahre. Klar und unverschnörkelt steht sie im Kontrast zum übrigen Interieur.

Die andere Hälfte meines Haushalts hat sich bereits weiter umgeschaut. Unter dem Stuhl des Schreibtisches seiner Assistentin befindet sich eine Luke. Öffnet man diese schaut man geradewegs in die Röhre einer Rutsche. Eine, die bestimmt seit dem Baujahr niemals oder wenn, dann nur sehr wenig, in Anspruch genommen wurde. Fürsorglich legt er den Teppich darüber, damit niemand auf die Idee kommt, sie auszuprobieren.

Ich räkle mich im Schlaf. Nehme Notiz davon, dass ich inzwischen in seinen Armen liege. Geborgen. Vor der Welt beschützt.

Bei einem kurzen Check meiner Körperfunktionen stelle ich überrascht fest, dass Kaffeedurst und Hunger sich ebenfalls in den Urlaub verabschiedet haben. Beim Kaffeedurst stelle ich mir vor, wie die Zunge ein Schild raus hing mit der Aufschrift: „Aufgrund von Wartungsarbeiten vorübergehend geschlossen“. Der Hunger tat es ihr offensichtlich gleich. Er stellte das Schild raus: „Bin übers Wochenende verreist. Ab Montag treffen Sie mich in gewohnter Manier wieder an“.
Tatsächlich. Appetit und Kaffeedurst sind nicht auffindbar. Scheinbar haben sie sich zur Erholung in einen separaten Winkel meines Ichs verabschiedet.

Als wir dann doch irgendwann erwachen. Ausgeschlafen und soweit munter, dass wir den neuen Tag begrüßen können sind vierzehn Stunden vergangen.

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