#918 die gelbe Boje

Eine selbstgewählte Herausforderung, der ich mit Skepsis entgegen schaute, galt es in Angriff zu nehmen: meine Freiwasserphobie. Die andere Hälfte meines Haushalts, wie könnte es anders sein, war bereits bis zur gelben Boje raus geschwommen. Unter meiner strengen Beobachtung. Ich verlor so gut es ging seine paddelnden Arme im Auf und Ab der Wellen nicht aus den Augen.

Dann war es an mir. Ausgerüstet mit Schwimmbrille, Rettungsboje, Badehose und Flossen stand ich nun da und watschelte ins Wasser hinein. Mein erster Test, dass die Brille saß, fiel zu meiner Zufriedenheit aus. Außer ein paar kleinen Barschen, mit schwarzem Strich auf dem Rücken, war nichts zu sehen.

Also los. Das Kraulen funktionierte besser als gedacht und ich nahm die gelbe Boje, die den Schwimmbereich endgültig vom offenen Wasser trennt, ins Visier. Armzug für Armzug. Mein Mann hatte ich zur Orientierung auf meine linke Seite beordert. Ohne stehen zu können, war der Meeresboden aufgrund des klaren Wassers gut sichtbar. Größere Fische bekam ich zum Glück nicht zu Gesicht. Mein Puls beruhigte sich zusehends und ich paddelte munter weiter.

Es dauerte dann doch eine Weile, bis wir die Boje erreichten, die am Boden angeleint im Wasser dümpelt. Ziel erreicht. Jetzt ging es rückwärts. Wir suchten uns einen Fixpunkt an Land, auf den wir zu schwammen. Nach den ersten Zügen merkte ich, dass es jetzt irgendwie anders war, das Schwimmen. Die Wellen waren schuld. Sie schwappten über mich hinweg, schlugen quer und hinterließen einen heftigen Salzgeschmack im Mund. Ich musste mehr kämpfen.

Schnell wurde es unangenehm und mir ein wenig übel. Damit hatte ich in meiner ersten Euphorie nicht gerechnet, dass der Wellengang unterschiedliche Auswirkung hat, je nachdem in welche Richtung ich schwimme. Wieder etwas gelernt. Aber da musste ich jetzt durch. Ich setzte die Flossen stärker ein und dann war die Challenge gemeistert.

Dermaßen überrascht und stolz auf meine Leistung, nahm ich am nächsten Tag die große Runde in Angriff. Im Wellengang schwimmen, dass wusste ich nun, bedeutet den Kopf deutlich mehr aus dem Wasser zu heben, um möglichst wenig Salzwasser in den Mund zu bekommen.

Es funktionierte. Zur ersten gelben Boje, dann parallel zum Strand zur zweiten und wieder zurück. Immerhin ganze achthundertfünfzig Meter im Freiwasser. Es wird.

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