#957 der Hund

Heute ist einer meiner Glückstage, bestimmt. Anders kann es nicht sein, als der Taubenschiss genau eine Schrittlänge vor mir geräuschvoll und nicht unerheblich zu Boden klatscht. Upsi. Das hätte böse werden können, denke ich mir und nippe wieder an meinem Cappuccino to go. Ich bin unterwegs. In der Main City vom Ländle. Es ist früh am Tag und ich bin auf dem Weg zum Coiffeur. Aufhübschen lassen ist angesagt. Weil ich vollstes Vertrauen habe, sind diese Termine immer sehr angenehm und ein weiteres Indiz für: Glückstag, keine Frage.

Gute Laune am frühen Morgen, das ist keine Selbstverständlichkeit. Besonders beim Anblick proppenvoller Bahnen, hektisch eilender Menschen. Rushhour. Vorausschauend war ich vorhin derart zeitig dran, dass ich es mir erlaubte, eine Bahn ziehen zu lassen, denn beim Anblick der Massen meldete sich mein klaustophobischer Instinkt und schrie: nein. Und da ich, wie gesagt, genügend Zeit hatte, gönnte ich mir den Luxus auf die nächste zu warten.

Das war eine gute Entscheidung. Ich gratulierte mir innerlich und stieg ein. Mit mir ein kleiner Hund und sein Herrchen. Beide waren bereits im Bus mit von der Partie und der Zufall wollte es, dass wir weiterhin eine Schicksalsgemeinschaft hatten. Der arme Kerl im vollen Zug nahm die Situation gelassen. Kurze Beinchen, langes Wuschelfell und nette Äugelein schauten mich und alle übrigen Fahrgäste erwartungsvoll an. Selbstverständlich wurde der Kleine zum Star im Abteil. Endlich mal eine attraktive Abwechslung in Pendlerstress und ein wirklich süßer Kerl. Herrchen hatte zur Bestechung Leckerlies dabei aber ich glaube, er wäre auch ohne dem brav gewesen.

Wie die Welt wohl aus seiner Perspektive erscheint? Ich versuchte mir das bildlich vorzustellen, indem ich reihum alles in circa vierzig Zentimeter Bodenhöhe musterte. Taschen, Hosenbeine, Kofferrollen, Schuhe sämtlicher Couleur nebst allem, was sie mit sich bringen. Eine eigene Sicht der Dinge.

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