#889 Buchstaben, Wörter

Nach zehn Stunden volle Konzentration, speichere ich endlich meine Datei und fahre den Rechner runter. Für heute ist es genug. Meine Gehirnmasse besteht ausnahmsweise nicht aus Zahlen, sondern aus Buchstaben und Wörtern. Phrasen. Inhaltsleere aber bedeutungsschwangere Redewendungen, die dem Sachbericht, den ich schreiben muss, inhärent sind. Schachtelsätze, die jede erdenkliche Eventualität des Sachverhalts auf Biegen und Brechen einbeziehen wollen. Die Fragen, die ich mit meinem Text beantworte, sind die Ursache des unangenehmen Schreibstils.. Hier sind wir jedenfalls ganz weit weg von Prosa und einem angenehmen Lesefluss. Egal

Ausgelaugt und frustriert wie ich gerade bin, beschließe ich kurzerhand noch eine Rund zu joggen. Bewegung tut mir gut. Der Himmel ist bewölkt, vielleicht regnet es ein wenig. Das käme mir gerade recht. Mal sehen.

Schon bei den ersten Schritten merke ich: das wird heute gar nichts. Meine Beine sind bleischwer, ich stolpere mehr vorwärts als dass ich laufe. Am Neckardingsbums überholt mich ein Mann in Barfußschuhen. Ich habe ihn erst gehört, als er direkt neben mir war, leise und geschmeidig wie er sich bewegt. Völlig anders als mein Geplatsche mit den Füßen. Das hört sich eher nach Flip und Flop, denn nach einem schönen Laufstil an. Ich bin neidisch. Laufe weiter. Verschlechtere mich bei jedem Kilometer und überlege, ob ich mir erlauben soll, ab der fünften Querstraße den Rest des Wegs gehend zurück zu legen.

Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie mein Schweinehund feixend auf seiner Decke liegt. Ich schaue ihn böse an und schaffe es, meine Gedanken komplett anderen Themen zuzuwenden. Auf diese Weise abgelenkt, schmerzen meine Waden etwas weniger, ich keuche nicht mehr so heftig und fasse neuen Mut. Keine Müdigkeit vorschützen, das bisschen schaffe ich jetzt auch. Ich jogge in meinem Zotteltrab brav weiter, bis ich wieder daheim bin. „Geht doch“ grinse ich dem Schweinehund zu.

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