#890 ausgebremst

Die dreckige Fensterscheibe beeinträchtigt meine Sicht auf das Geschehen draußen auf der großen Hauptstraße. Es scheint etwas ruhiger zu sein. Ansonsten brummt der Verkehr an Tagen wie diesen. Das mag an den Ferien liegen. Oder an der Hitze oder an den zahlreichen Baustellen (#881 rot, gelb und grün). Kaum ein paar Folgen dix:Minutes weiter, neun, um genau zu sein, ist es schlimmer gekommen als gedacht.

Gestern war ich unterwegs. Mit dem Auto. Antizyklisch nach dem morgendlichen Berufsverkehr. Das hat möglicherweise ein bisschen was gebracht. Schwer zu sagen. Unter Einbeziehung von Maps sowie meiner fünfundzwanzigjährigen Ortskenntnis, kam ich pünktlich am Ziel an. Fast. Hätte nicht zu guter Letzt das Garagentor der Tiefgarage gestreikt. Nun, das war mein geringstes Problem.

Die aktuelle Verkehrssituation toppt gerade alles bisher Dagewesene. Selbst mit dem Rad gibt es kein Durchkommen, wie ich aus sicherer Quelle erfuhr. Heute habe ich an einem Knotenpunkt eine dreiviertel Stunde auf den Nahverkehr warten müssen und wechselte dafür zweimal den Bahnsteig. Ich bin gut zu Fuß. Wie machen das Menschen, denen das schwerer fällt? Wie viel Zeit muss ich künftig als Puffer einplanen? Wie viel meiner Lebenszeit geht dafür drauf? Ich bin wirklich geduldig, stoisch fast, nehme Situationen geduldig hin. Doch allmählich reicht es mir. Wie sieht es bei euch aus? Welches Thema nervt euch?

Nächste Woche fahre ich für ein paar Tage mit meinen beiden Lieblingsmenschen in den Schwarzdingsbumswald. Auf einer Strecke von einhundertdreißig Kilometern zeigt mir das Navi acht Baustellen an. Acht. Das bedeutet: alle sechzehn Kilometer ist eine. Was um Himmels Willen wird dort gemacht?

Um mir den Tag nicht gänzlich zu verderben, besinne ich mich auf die schönen Momente. Schließlich war ich heute früh schon im Freibad. Ein Glück – der Weg ist wirklich kurz. Ich kann es zu Fuß erreichen. Was will ich mehr?

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