Teppich. Teppich ist das erste, das mir entgegenschlägt, als ich das Gebäude aus den späten Siebzigern betrete. Waschbeton, massives Holz, verschachtelte Wege, Glasvitrinen, sich überlappende Räume, Teppichboden. In diesem Fall ist er orangerot. Kräftig. Intensiv. Allgegenwärtig. Womöglich die zweite Auflage. In seiner ersten Variante war er grün oder braun. Das ist jedoch nur meine Mutmaßung und ich habe keinen Schimmer, ob dem so ist.
Der Teppich trägt ihn in sich, den speziellen Geruch. Dieser ist schier unbeschreiblich und wir alle kennen ihn. Alle, die sich in Gebäuden wie diesen in vergangenen Zeiten aufhielten oder dies noch tun. Ich würde ihn am ehesten „gewichtig“ nennen. Er dämpft Schritte und Stimmen und windet sich wie fließendes Wasser durch jeden Raum. Leckt am Podium. Wäre er blau, würde ich ihn mit einem Wellenschlag verwechseln.
Auf dem Podium werden gleich Personen Platz nehmen, sich austauschen und diskutieren. Sie haben es geschafft, haben etwas zu sagen. Ich bin Zuhörerin, sitze ungewollt in der ersten Reihe, obwohl es schon die zweite ist, und schaue geradewegs nach vorn. Auch das hat sich nicht geändert, vorne sitzen ist nicht en vogue. Doch warum soll ich mich hinter Stuhlreihen und Köpfen verstecken? Schließlich bin ich nicht mehr da, in der Schule. Schon lange nicht mehr.
Dann kommen die Personen. Auf zwei von ihnen habe ich gewartet, die dritte moderiert. Aus den Augenwinkeln erhascht mein Blick flüchtig ein Profil, ein Antlitz, das sich zu mir dreht und mir blitzt die Ähnlichkeit mit einem Popidol durch meine Gedanken. Stimmt natürlich nicht.
Zwei Flaschen Sprudel, ein Glas, ein Mikro und die Gesprächsrunde nimmt ihren Verlauf in englischer Sprache. Very International. Spannend. Meine Sitznachbarin stellt eine Frage. Ich traue mich nicht. Die Antwort lautet, wie ich es vermutete: „es ist ein weiter Weg aufs Podium. Aber nichts ist unmöglich.

