In Zeiten unbegrenzter Möglichkeiten habe ich mich, ganz gegen meine Gewohnheit und Überzeugung, einlullen lassen von einem Stückchen Stoff, dass mein Begehren geweckt hat. Hin und her habe ich gemessen, hin und her habe ich überlegt, um keine blöde Überraschung zu erleben. Dann ist es doch passiert. Obwohl ich es besser hätte wissen können, habe ich meine Bestellung falsch abgeschickt. Es passt nicht. Das ist einfach zu blöd.
Ärgerlich, weil genau das eingetreten ist, was ich eigentlich vermeiden wollte: zusätzlicher Aufwand. Nerv. Jetzt muss ich mein Teilchen wieder zurück schicken. Ich verstehe gar nicht wie das die Leute handhaben, die regelmäßig im Internet bestellen. Haben die einfach mehr Erfahrung oder ein besseres Händchen als ich? Passt immer alles und gefällt ihnen das, was online feilgeboten wurde wirklich? Sind sie vielleicht manchmal zu bequem, Sachen wieder zurück zu senden und häufen daher Dinge an, die sie nicht brauchen?
Gut, noch vor ein paar Jahren, vor Corona, war unser Einkaufverhalten ein anderes. Der Gang führte uns in die Umkleidekabinen, vollbepackt mit sämtlichen Kleidungsstücken, von denen ebenfalls nicht alles passte. Umschwärmt von Verkäuferinnen, die geflissentlich zur Hilfe eilten, mal mehr und mal weniger nützlich und alles mit dem Ergebnis, dass die Klamotten auch nicht besser passten als jene aus dem Paket. Der Unterschied ist wohl eher der, dass wir nun nicht mehr den Weg in die Umkleidekabine nehmen, sondern das Maßband aus dem Nähkästchen holen und Brust, Bauch, Po vermessen.
Die Zeiten ändern sich. Ob ich das persönlich gut finde oder nicht, spielt keine Rolle. Ich bin gefangen im Gruppenzwang und den veränderten Verhältnissen. Was soll es – mein Lamentieren nützt nichts, ich muss mich morgen darum kümmern, die Retoure fertig machen und es gegen die richtige Größe umtauschen. Schließlich will ich in der nächsten Freibadsaison richtig auffallen mit meinem neuen Einteiler.

