#880 belämmert

Fein säuberlich kratze ich den kleinen Becher: Bio Frucht-Quark mit Zitrone aus. Ich verspüre ein kleines Hüngerchen, muss mich allerdings bis zum Abend essen gedulden. Damit ich nicht weiter unkontrolliert in mich hineinfuttere, setzte ich mich nach draußen und schreibe außerplanmäßig heute am Montag, was ich, wie ihr wisst, meistens nicht tue. Aber schließlich weiß ich nicht, was die Woche weiterhin bringt. Könnte gut möglich sein, dass ich einen anderen Tag ohne dix:Minutes gebrauchen kann, weil es die Umstände erfordern.

Die Sonne scheint auf meine linke Körperhälfte, ich entledige mich meiner Schuhe und Socken und schaue den Spatzen zu, wie sie sich durch unseren Hinterhof jagen. Ganz schön halsbrecherisch, ihre Flugkünste. Mein Nachbar ist ebenfalls am Start und vertickt telefonisch im Lautsprechermodus Versicherungen an eine Kundin. Jetzt weiß ich zumindest alles, was es beim Abschluss einer Zahnspangenversicherung zu beachten gibt. Interessant.

Zur Inspiration für meinen Text scrolle ich durch meine Bildergalerie. Bei den Lämmern bleibe ich hängen. „Belämmert“ ist das Stichwort, das mir einfällt. Was für ein eigentümliches Wort. Hat es überhaupt etwas mit Lamm/Lämmern zu tun, frage ich mich und ziehe das Netz zu Rate. Tatsächlich. In Duden und DWDS werde ich fündig. Den Ausdruck gibt es noch und er kann mehrere Bedeutungen haben: misslich, ungemütlich, dumm, eingeschüchtert oder niedergedrückt, betreten. Mit Lamm/Lämmer hat er jedoch nichts zu tun.

Selbst wenn die Herkunft auf die Wörter: Lamm/Lämmer nicht belegt ist, ist der Ausdruck plausibel beim Anblick der Tiere. Das DWDS zitiert als Verwendungsbeispiel unter anderen Die Zeit vom 13.11.2006 mit dem Satz: „Dabei sind diese Hinweise durchaus vorhanden, nur findet sie der Benutzer nicht und steht belämmert da“. Ja, das kenne ich. Verfolge ich die aktuelle Politik, dann blickt so mancher Herr in Berlin wie ein Schaf aus der Wäsche. Der Ausdruck erlebt scheinbar gerade sein Revival.

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