#882 Ode an Mark Twain

Es ist eine ganze Weile her. Da stand ich mitten im Antiquariat. Es lag ziemlich zentral an der Ecke der Straßenkreuzung in einer Kleinstadt im Westfälischen. Bücher um Bücher um mich herum. Abgegriffene Einbände, kaum lesbare Rücken, womöglich in Sütterlin verfasst. Ich kann Sütterlinschrift lesen. Auch die Krux mit den fast identischen Lettern für „f“ […]
#881 rot, gelb und grün

Kaum nähern sich die Sommerferien, ist es wie jedes Jahr zu dieser Zeit: der Verkehr verlässt seine angestammten Pfade und wird umgeleitet. Mir schwant Böses, als ich die noch nicht aktivierten Schilder auf der Autobahn am linken und rechten Fahrbahnrand wahrnehme. In Verbindung mit den rot markierten Stellen auf der Strecke bedeutet das wohl, dass […]
#878 Paare, Passanten – unglaubliche Vielfalt

Die Person trägt ihr graues Haar zu einem akkurat geschnittenen Bob. „Das ist die Jeans unter den Frisuren“, sagt der Friseur, „das geht immer. Egal ob jung oder alt“. Sie ist schlank, dürr eigentlich. Das schwarze Polohemd steckt in einer Hose, die mit dem breiten Bündchen an der Taille, ihre tadellose Figur zusätzlich betont. Sie […]
#876 Entspannung

Schlappe Schafe schlafen im Schatten, dachte ich mir bei diesem Anblick, nun, den ging es nicht anders als mir. Sie dösten vor sich hin – ich bewegte mich im Schneckentempo. Bloß nicht zu viel machen, lautete die Devise, denn es war heiß in den vergangenen Tagen. Reglos standen die Schafe also hinterm Zaun auf ihrer […]
#875 (nicht) wie im Märchen

Ich bin beruflich unterwegs. Bei der Tagung ist gerade Pause und ich drehe eine kleine Runde ‚um den Block‘, um mir die Beine zu vertreten. Als ich den schmalen Weg einschlage, stolpere ich über das dürre Ästchen. Ich hebe es auf, drehe es in den Fingern. Drei Eichenblätter mit einem Eichelpaar, das offensichtlich noch nicht […]
#872 da war ich schon mal

Langsam werden sie dick und schwer und die Äste biegen sich bereits ordentlich unter dem Gewicht ihrer heranwachsenden Früchte. Bisher war mir das gar nicht aufgefallen. Die Früchte sind noch grün, doch inzwischen entsprechend groß, dass es nicht mehr übersehbar ist. So ähnlich wie bei einer Schwangerschaft, bei der sich diese ab einem gewissen Zeitpunkt […]
#870 Stadt, Land, Fluss und Meer

Draußen ist es angenehm. Der Wind streicht ums Haus und die Wärme ist wohltemperiert. Schöne Aussichten, besonders am Feierabend. Ich sitze auf meinem Küchenbalkon und versuche, dem Stress des Tages Herrin zu werden. So ganz gelingt mir das nicht. Es ist einfach viel los im Moment, ob ich es will oder nicht. Um mich auf […]
#869 so ein Theater

Zu Weihnachten hatte ich der anderen Hälfte meines Haushalts ein kleines Theater-Abo geschenkt. Gewissermaßen als kulturellen Ausgleich für sämtliche sportlichen Aktivitäten. Und getreu dem Motto: der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Erstaunlicherweise passt das Zitat aus dem Alten Testament (das habe ich extra „nachgeschlagen“) ebenfalls für meinen Sportler und mich als Anhang. Ich hatte […]
#865 auf die Plätze, fertig, …

Triathleten sind Frühaufsteher, jedenfalls am Wettkampftag und bei der entsprechenden Distanz. Der Support, also ich, bin es dementsprechend ebenfalls. Um drei Uhr fünfzehn klingelt der Wecker. Das ist keine Zeit, in der ich reden kann und die andere Hälfte meines Haushalts ebenfalls nicht, er ist im Tunnel. Hinter seiner Stirn sehe ich geradezu, wie es […]
#863 schattige Angelegenheit

Als sich die Bürotür öffnet, bin ich die erste heute früh. Nun gut, um die Uhrzeit sind meine Kolleg:innen meistens geht es in der Regel erst später los. Ein Umstand, der mir entgegen kommt, wie ihr wisst. Die erste Person morgens kümmert sich ums Hochfahren sämtlicher Systeme, will heißen: Drucker anmachen und Kaffeevollautomat in Stellung […]